Nach Studie : Werhrdienst: Studenten fordern sechs statt neun Monate

Die Studie zweier Studenten hat die öffentliche Debatte über die Wehrpflicht erneut entfacht. In dem 87-seitigen Papier fordern die Autoren eine drastische Verkürzung des Wehrdienstes – von derzeit neun auf sechs Monate. Ein Schritt, durch den der Bund nach Meinung der Verfasser rund 57 Millionen Euro einsparen könnte.

Sarah Kramer
Grundausbildung bei der Bundeswehr
Ein Soldat in der Grundausbildung. -Foto: dpa

BerlinZudem biete eine Verkürzung des Wehrdienstes die Chance, in Zukunft nicht mehr 75 000, sondern 95 000 junge Männer eines Jahrgangs zum Grundwehrdienst heranzuziehen. Im Detail schlagen Andreas Ahammer und Stephan Nachtigall in ihrer Studie eine dreimonatige militärische Grundausbildung vor, der sich eine zweimonatige vertiefende Ausbildung im Sanitätsdienst, dem Katastrophenschutz und der Krisenprävention anschließen. Im sechsten Monat sollen die Wehrpflichtigen schließlich die Möglichkeit bekommen, sich „nach ihren eigenen Vorstellungen bei Bildungsträgern und Arbeitgebern zu bewerben“.

„Wir wollten ein Konzept zur Modernisierung der Wehrpflicht vorlegen, das nicht von Politikern oder Militärs entworfen wurde, sondern aus der Generation kommt, die es letztlich betrifft“, sagte Andreas Ahammer dem Tagesspiegel. In die Überlegungen seien zahlreiche Gespräche mit und Erfahrungen von Grundwehrdienstleistenden eingeflossen. Der Jurastudent, der wie Ko-Autor Nachtigall im Vorstand des Bundeswehrverbandes sitzt, hat sich nicht zum ersten Mal mit der Materie Wehrpflicht auseinandergesetzt: Zusammen mit Nachtigall hatte er monatelang um eine Erhöhung des Wehrsolds gekämpft und dafür eine Petition mit 25 000 Unterschriften beim Bundestag eingereicht – mit Erfolg.

Dass Ahammer und Nachtigall nun in anderer Angelegenheit und wieder im Alleingang einen Vorstoß wagen, stößt in der sicherheitspolitischen Szene nicht nur auf Gegenliebe. Während der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, die Vorschläge der Studie in der „Osnabrücker Zeitung“ als „außerordentlich überlegenswert“ begrüßte, ging der Chef des Bundeswehrverbandes Bernhard Gertz zu der Publikation auf Distanz: Der Vorstand, dem die Studie vorgestellt worden sei, sehe in dem Papier bestenfalls einen Diskussionsbeitrag und habe zudem „von einer Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt abgeraten“. Ähnlich kritisch äußerte sich der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Christian Dienst: „Die Position, die hier dargelegt wird, ist nicht die Position des Hauses“, hieß es. Union und SPD hätten sich im Koalitionsvertrag zur allgemeinen Wehrpflicht bekannt.

Auch die SPD-Verteidigungsexpertin und Bundestagsabgeordnete Petra Heß hält die in der Studie vorgeschlagene Verkürzung des Grundwehrdienstes für nicht angemessen. „Ich halte wenig von dieser Idee“, sagte sie dem Tagesspiegel. „Dann brauchen wir die Wehrpflicht doch gar nicht mehr.“ Sechs Monate reichen aus ihrer Sicht nicht aus, um die jungen Menschen mit genügend soldatischen Grundkenntnissen auszustatten und auf eine mögliche weitere Verwendung als Zeitsoldat oder Reservist vorzubereiten. „Ein bestimmtes Maß an Ausbildung muss sein“, sagte Heß, die selbst Offizier der Reserve ist. „Ich möchte an dieser Stelle nicht auf Qualität verzichten.“

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