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Nach Terror in Berlin : Festnahmen im Zusammenhang mit Anis Amri in Tunesien

Ein nun verhafteter Neffe stand offenbar mit dem mutmaßlichen Attentäter in Kontakt. Es gibt auch neue Erkenntnisse zu Amris Reiseroute. Und der verletzte Polizist ist wieder wohlauf.

Der Bruder des mutmaßlichen Terroristen Anis Amri zeigte am Freitag in Tunesien ein Porträt des Getöteten.
Der Bruder des mutmaßlichen Terroristen Anis Amri zeigte am Freitag in Tunesien ein Porträt des Getöteten.Foto: AFP

Wegen mutmaßlicher Verbindungen zu dem mutmaßlichen Berlin-Attentäter Anis Amri sind in Tunesien drei Verdächtige festgenommen worden. Einer davon sei ein Neffe des 24-Jährigen, welcher in der Nacht zu Freitag von der italienischen Polizei bei Mailand erschossen worden war, wie das Innenministerium am Samstag in Tunis erklärte. Der Neffe habe gestanden, dass er mit Amri auf einem verschlüsselten Weg über eine Nachrichtenapp in Kontakt gestanden habe. Sein Onkel habe gewollt, dass er der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) die Treue schwöre. Auch habe er ihm Geld geschickt.

Die drei mutmaßlichen Dschihadisten wurden demnach bereits am Freitag gefasst. Die Festgenommenen seien zwischen 18 und 27 Jahre alt. Das Innenministerium bezeichnete die drei Männer als eine Terrorzelle, die Sicherheitskräfte nahe der Stadt Kairouan ausgehoben hätten. In dieser Region lebt auch die Familie von Anis Amri. Kairouan gilt als Salafistenhochburg.

Auch die Behörden in Spanien untersuchen Kontakte eines ihrer Staatsangehörigen zu Amri. Ob es zu Festnahmen komme, müssten die weiteren Ermittlungen ergeben, sagte Innenminister Juan Ignacio Zoido dem Hörfunksender COPE.

Anis Amri offenbar über Lyon nach Italien gereist

Nach Erkenntnissen der Ermittler steuerte der als islamistischer Gefährder bekannte Tunesier bei dem Anschlag am Montag einen Lastwagen in die Menschenmenge vor der Berliner Gedächtniskirche. Zwölf Menschen starben, 53 weitere wurden teilweise lebensgefährlich verletzt.

Die Opfer sind nach Angaben des Bundeskriminalamtes identifiziert. Unter den Toten seien sieben Deutsche sowie Menschen mit tschechischer, ukrainischer, italienischer, israelischer sowie polnischer Staatsangehörigkeit. Angaben zu Geschlecht und Alter machte eine Sprecherin in Wiesbaden mit Verweis auf Persönlichkeitsrechte nicht. Kinder seien aber nicht unter den Getöteten.

Bereits zuvor war bekannt geworden, dass unter den Toten jeweils ein Pole, eine Italienerin, eine Israelin und ein Tscheche ist. Nach „Spiegel“-Informationen handelt sich um sechs Männer und sechs Frauen.

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Anis Amris Familie in Tunesien will Klarheit
Anis Amris Familie in Tunesien will Klarheit

Amri ist französischen Medieninformationen zufolge über Lyon und Chambéry nach Italien gelangt. Der Terrorverdächtige habe am vergangenen Donnerstag in Lyon das Bahnticket für Italien gekauft, berichtete die Wochenzeitung "Journal de Dimanche" mit Verweis auf eine hochrangige Quelle im Pariser Innenministerium.

Der französische Innenminister Bruno Le Roux hatte am Freitagabend laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bestätigt, um die Fakten in diesem Fall präzise festzustellen. Zur vermuteten Reiseroute von Amri über Frankreich äußerte er sich nicht. "Ich rufe zur größten Vorsicht auf im Hinblick auf Informationen, die zur Zeit zirkulieren", hatte der Ressortchef dazu gesagt.

Die italienische Nachrichtenagentur Ansa hatte am Freitag gemeldet, dass der Terrorverdächtige aus dem französischen Chambéry nach Turin in der italienischen Region Piemont gekommen war. Von dort habe er einen Zug nach Mailand genommen. Medienberichten zufolge war eine entsprechende Fahrkarte bei seiner Leiche gefunden worden.

Amri war bei einer Polizeikontrolle in Sesto San Giovanni bei Mailand erschossen worden. Als die Beamten ihn nach seinen Papieren fragten, zog er umgehend eine Waffe und eröffnete das Feuer. Die Obduktion ergab, dass Amri von zwei Schüssen getötet wurde.

Christian Movio, einer der Polizisten, musste mit einer Schusswunde an der Schulter operiert werden. Am Samstagnachmittag konnte er das Krankenhaus in Monza wieder verlassen. Ihm gehe es sehr gut, sagte der Direktor der Klinik der Nachrichtenagentur Ansa zufolge. Er könne bald wieder arbeiten. Dem Polizisten wurde ein Projektil aus der Schulter operiert.

Moschee-Fotos zeigen eindeutig nicht Anis Amri

Unterdessen haben Staatsanwaltschaft und Berliner Polizei abschließend geklärt, dass es sich bei dem Mann, der auf Bildern einer Überwachungskamera an einer Moschee in der Perleberger Straße in Moabit vom frühen Dienstagmorgen zu sehen war, nicht um den mutmaßlichen Attentäter handelt. "Es steht eindeutig fest, dass der Mann auf den Bildern nicht der Amri ist", hieß es am Samstag in einer Mitteilung. "Der tatsächlich abgebildete Mann hat sich mittlerweile bei der Polizei gemeldet." Die "Abendschau" des RBB hatte am Donnerstag die Aufnahmen gezeigt, auch der Tagesspiegel hatte unter Bezugnahme darauf über die Bilder berichtet. "Die Bilder wurden den Medien ohne Freigabe der Polizei Berlin zugespielt", hieß es in der Mitteilung am Samstag.

RBB-Sprecher Justus Demmer sagte dazu, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Bilder habe es weder für den RBB noch für "die aus unserer Sicht hoch vertrauenswürdige" Quelle, die dem Sender das Material übermittelt habe, begründete Zweifel daran gegeben, dass auf den Bildern Amri zu sehen sei.

"Der RBB geht nach seinen Recherchen weiter davon aus, dass die Sicherheitsbehörden zu diesem Zeitpunkt der gleichen Überzeugung waren. Dass sich diese Einschätzung nun als falsch herausstellt und korrigiert werden muss, bedauern wir", so Demmer. "Wir sehen dies als Fortschritt in den Ermittlungen der Polizei und passen unsere Berichterstattung entsprechend an." Bei gleicher Quellenlage würde der Sender wieder genau so verfahren. (AFP, dpa, rtr)

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