Nach Verwicklung der Grünen : Auch Liberale waren Anlaufstelle für Pädophile

Pädophile Aktivisten nahmen Anfang der 80er Jahre nicht nur Einfluss auf die Grünen, sondern auch auf die damalige Jugendorganisation der FDP - mit Erfolg.

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Die FDP und ihre Jugendorganisation geraten ins Visier.
Die FDP und ihre Jugendorganisation geraten ins Visier.Foto: dpa

Die Grünen waren in den 80er Jahren nicht der einzige Anlaufpartner für pädophile Aktivisten. „Im Dreiparteiensystem Anfang der 80er Jahre setzten die Pädophilen-Verbände ihre Hoffnungen auch auf die FDP. Die Grünen waren neu gegründet und gerade mal in Bremen in der Bürgerschaft vertreten. Was aus der Partei werden würde, war damals noch nicht klar“, sagte der Parteienforscher Stephan Klecha dem Tagesspiegel. Gemeinsam mit Franz Walter, Leiter des Göttinger Instituts für Demokratieforschung, untersucht er im Auftrag der Grünen, welche Auswirkungen pädophile Forderungen auf die Partei hatten. Bei ihren Nachforschungen stießen sie auch auf die Jungdemokraten, den früheren Jugendverband der FDP.

Klecha erklärt, warum pädophile Gruppen auch auf FDP-Politiker setzten: „Die Liberalen warben im Wahlkampf 1980 massiv für die Gleichstellung von Schwulen und die Abschaffung des Homosexuellen-Paragrafen 175. Die Schwulenbewegung war damals sehr heterogen, es gab dort auch eine Fraktion der Pädophilen, die versuchten, etwa über die FDP und die Jungdemokraten Einfluss zu gewinnen.“ Bei den Jungdemokraten („Judos“) hatten sie, anders als bei der FDP, auch Erfolg: Im März 1980 beschlossen diese, sexuelle Beziehungen von Erwachsenen zu Kindern zu legalisieren.

Damals noch die Jugendorganisation der FDP

Beschlusslage der FDP wurde dies nie. Im Jahr 1980 waren die Jungdemokraten offiziell noch die Jugendorganisation der FDP. Doch in der Zeit nach 1968 war die ursprünglich klassisch-liberale Jugendorganisation deutlich nach links gerückt. Nur noch jedes zweite Judo-Mitglied war in der FDP. 1980 unterstützten sie im Bundestagswahlkampf zwar die FDP, aber „nicht wegen, sondern trotz ihrer Politik“. Im Herbst 1982, mit dem Wechsel der FDP von der sozial-liberalen zur CDU/CSU/FDP-Regierung, vollzogen sie endgültig den Bruch.

Neuer Jugendverband der FDP wurden die Jungen Liberalen. Deren erster Bundesvorsitzender war Hans-Joachim Otto, heute Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. „Die Jungdemokraten haben auf FDP-Parteitagen Anfang der 80er mehrmals eine Latte von Anträgen eingebracht, dazu gehörte auch die Forderung nach einer Liberalisierung des Sexualstrafrechts.

Brüderle sieht keinen Aufklärungsbedarf

Das ist dann immer schnell ohne große Debatten abgebügelt worden“, sagt Otto heute. „Die haben nie offen die Legalisierung von Pädophilie gefordert, das lief immer unter dem Deckmantel der freien Liebe und der Sexualität von Kindern.“ Bei den Liberalen habe es „zu keinem Zeitpunkt auch nur in Ansätzen so etwas wie einen Pakt für Pädophilie gegeben. Das Thema Pädophilie beschäftigte die FDP nicht“, sagt er.

Nach Ansicht von FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle sieht seine Partei in der Frage von Pädophilie „keinen Aufklärungsbedarf“. Eine Kandidatin in Hessen habe ihre Kandidatur zurückgezogen. „Das war richtig. Von den Grünen hat man solche Schritte noch nicht vernommen“, sagte Brüderle dieser Zeitung.

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