Politik : Nachhilfe für Inländer

Andrea Dernbach

Berlin - Woran krankt die Migrationsdebatte? An Unwissen, sagt Rita Süssmuth, die frühere Bundestagspräsidentin und Ministerin. Mit aufgeklärten Bürgern – oder mit dem Gegenteil davon – stehe und falle auch jede Einwanderungspolitik: „Gegen die Öffentlichkeit“, sagt die CDU-Politikerin, die Mitglied der UN- Kommission internationale Migration war, „kann kein Land Einwanderungspolitik machen. Andererseits gibt es Länder, die mit guter Kommunikation erhebliche Erfolge erzielt haben.“

Auf bessere Kommunikation setzt nun die deutsche Vertretung der Internationalen Migrationsorganisation IOM. In einer Serie von Veranstaltungen will man auf die Chancen weltweiter Wanderung aufmerksam machen – Chancen, die sich nach Meinung aller anwesenden Experten nicht nur den Migranten selbst bieten, sondern auch den Ländern, aus denen sie kommen und denen, in denen sie ankommen. Die Vizegeneraldirektorin der IOM, Ndioro Ndiaye, verwies auf die europäische Diaspora, für viele afrikanische Länder etwa „eine wichtige Entwicklungsressource“. Die Überweisungen afrikanischer, asiatischer oder südamerikanischer Arbeitsmigranten an ihre Familien machen ein Vielfaches dessen aus, was die Erste Welt als Entwicklungshilfe zahlt. Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU), Mitveranstalter der IOM-Gespräche, lässt derzeit untersuchen, wie stark diese Leistung der Diaspora in NRW ist und wie sie für Entwicklungspolitik zu nutzen wäre.

Bundesinnnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warb erneut für sein Konzept „zirkulärer Migration“, der Anwerbung von Migranten auf Zeit. Damit Migration „Triple Win“ bringe, also den Auswanderern, ihren Heimat- und den Zielländern nütze, brauche es „mehr Möglichkeiten zu legaler Migration“. Dass Deutschland derzeit praktisch keine Zuwanderung habe, sage er öffentlich wo er könne, aber: „Nichts haftet gelegentlich so stark in den Köpfen der Menschen wie Unsinn.“

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