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Israelischer Oberrabiner für Weiterbildung von Beschneidern

Berlin - Nach Gesprächen mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und den Fraktionschefs im Bundestag hat sich der israelische Oberrabiner Yona Metzger dafür ausgesprochen, dass die jüdischen Beschneider, die Mohel, in Deutschland eine medizinische Weiterbildung erhalten sollen. Die Ausbildung solle durch einen Arzt und die Rabbinerversammlung zertifiziert werden. So werde es auch in Israel praktiziert. Metzger lehnte Zugeständnisse bei der Narkose ab. Auch sei er gegen eine Regelung, wonach ausschließlich studierte Mediziner den Eingriff vornehmen dürften. Metzger ist auf Einladung der orthodoxen Gemeinschaft Chabad Lubawitsch in Berlin, „um Wissen über die religiöse Bedeutung der Beschneidung unter die politischen Entscheidungsträger zu bringen“. Vor Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Berlin äußerte Metzger am Montagabend auch die Befürchtung, andere Länder wie Österreich und die Schweiz könnten dem Kölner Urteil folgen. Im Mai hatten Richter des Landgerichts Köln die Beschneidung aus religiösen Gründen als strafbare Körperverletzung gewertet. clk

Studie: Deutsche beschäftigen sich vermehrt mit dem eigenen Sterben

Berlin - Die Mehrheit der Deutschen (58 Prozent) wünscht sich, dass sich die Gesellschaft mehr mit dem Sterben auseinandersetzt. Das hat eine repräsentative Studie des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbandes (DHPV) ergeben. Demnach denkt jeder zweite Deutsche ab und zu über den Tod nach. Bei 39 Prozent spielen Sterben und Tod eine große Rolle im persönlichen Umfeld. Zwei Drittel wollen zu Hause sterben. Der DHPV forderte eine bessere Finanzierung und gesetzliche Grundlage für die ambulante Betreuung Sterbender. „Es muss sich noch viel bewegen in diesem Punkt“, sagte die Schirmherrin des Verbands, Herta-Däubler-Gmelin (SPD). ks

Doch noch kein Grundsatzurteil

zu Ausbeutung durch Diplomaten

Berlin - Das Verfahren um die Ausbeutung einer indonesischen Hausangestellten im Haushalt eines saudischen Diplomaten in Berlin ist vorerst gescheitert. Der Mann ist kein Diplomat mehr. Das Deutsche Institut für Menschenrechte, das das Verfahren für die Frau geführt hatte und auf ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs über die Grenzen diplomatischer Immunität hoffte, will nun bei nächster Gelegenheit ein Musterverfahren in einem neuen Fall anstrengen. Die Frau hatte nach eigenen Angaben zwei Jahre lang überlange Arbeitszeiten dulden müssen, sie war geschlagen und es war ihr Lohn vorenthalten worden. Das Berliner Landesarbeitsgericht hatte ihre Klage im November abgewiesen, weil ihr Arbeitgeber als Diplomat vor Strafverfolgung geschützt war; nun sollte der Bundesgerichtshof entscheiden. ade

Zwei neue Prozesse wegen NS-Kriegsverbrechen möglich

Ludwigsburg - Fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs könnte es zwei weitere Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher geben. In Stuttgart entscheidet in Kürze die Staatsanwaltschaft über eine Anklage gegen Beschuldigte, die 1944 das toskanische Dorf Sant’ Anna di Stazzema überfallen und mehrere hundert Menschen umgebracht haben sollen. Zudem hat die Zentrale Stelle in Ludwigsburg Ermittlungen zu einem Aufseher im KZ Auschwitz-Birkenau abgeschlossen. Der 87-Jährige wird beschuldigt, 1944 zur Ermordung von mindestens 344 000 deportierten Menschen, mehrheitlich ungarischen Juden, wesentlich beigetragen zu haben. dpa