Politik : Nachrichten

André Anwar

DÄNEMARK

Das traditionell tolerante Image Dänemarks verblasst: Die jahrelange Regierungsbeteiligung der rechten Volkspartei, der Irakeinsatz dänischer Truppen und die Mohammedkarikaturen-Krise, die mit organisierten Protesten und Flaggenverbrennungen eskalierte, haben Spuren einer verstärkten Islamophobie und Ausländerfeindlichkeit in dem wirtschaftlich blühenden Land hinterlassen. Dabei ist die Einwanderungspolitik inzwischen so restriktiv, dass Verschärfungen kaum noch möglich sind. Doch ob muslimische Frauen bei der Arbeit ein Kopftuch tragen dürfen oder ob zu viele Schweden an Dänemarks Reichtum teilhaben, erregt die Gemüter. Es gibt aber auch integrative Kräfte wie den muslimischen Politiker Naser Khader mit seiner neuen liberalen Partei „Neue Allianz“, der als erster Einwanderer einen Ministerposten erhalten könnte. Die integrative Kraft der Königsfamilie dagegen scheint vorerst am Ende zu sein. Das Skandalbuch einer Hofreporterin hat gerade Kronprinz Frederik als faul und untreu, als so unwillig wie unfähig erklärt, den Thron zu übernehmen – schon wird über die Abschaffung der Monarchie diskutiert. Die Dänen gelten als vorbildliche Europäer – und werden zu scharfen EU-Kritikern: Immer mehr verlangen ein Referendum über die neuen EU-Grundlagen. Eine deutliche Mehrheit würde sie heute ablehnen. André Anwar

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