Politik : Nachrichten

Ruth Reichstein

BELGIEN

Seit über vier Monaten hat Belgien keine Regierung mehr. So lange streiten frankophone und flämische Parteien um die Zukunft des Landes und schaffen es nicht, sich auf ein Regierungsprogramm zu einigen. Der Streit ist ein Klassiker: Die Kluft verläuft nicht etwa zwischen rechts und links oder Christ- und Sozialdemokraten. Im belgischen Königreich klafft der große Graben zwischen dem Norden und dem Süden. Im Norden leben die Flamen, die niederländisch sprechen und deren Wirtschaft floriert. Die Arbeitslosenquote nähert sich mit rund vier Prozent der Vollbeschäftigung. Im Süden leben die Wallonen, die französischsprachigen Belgier. Ihre Region war früher mit traditioneller Schwerindustrie der Reichtum des Landes . Die Arbeitslosigkeit ist mehr als doppelt so hoch wie in Flandern. Jedes Jahr fließen inzwischen Millionen von Nord nach Süd, um – ähnlich wie beim innerdeutschen Finanzausgleich – den Wohlstand im Land zu verteilen. Die Flamen fordern mehr Kompetenzen für ihre Region und viele wollen der föderalen Regierung eigentlich nur noch wenige Aufgaben wie die nationale Verteidigung überlassen. Im Süden will man am belgischen Staat als Ganzes festhalten. Am Ende könnte von Belgien nur noch eine leere Hülle übrig bleiben. Ruth Reichstein

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