Politik : Nachrichten

Knut Krohn

POLEN

In Polen, wo heute ein neues Parlament gewählt wird, haben die bisher regierenden Kaczynski-Zwillinge mit ihrer national-konservativen Politik einen tiefen Keil in die Gesellschaft getrieben. Das hat die bereits bestehende Kluft zwischen der Bevölkerung in den modernen, aufstrebenden Städten und den immer noch rückständigen ländlichen Teilen weiter vergrößert. Ein Problem von großer Sprengkraft ist auch die noch immer nicht aufgearbeitete Vergangenheit des Landes: Anders als in Deutschland, macht man sich in Polen erst jetzt daran, die kommunistischen Hinterlassenschaften aufzudecken – ein Verdienst der Kaczynskis. Kontraproduktiv ist allerdings der missionarische Eifer, mit dem sie dabei ans Werk gehen. Viele, vor allem junge Menschen, die mit der wirtschaftlichen und auch politischen Entwicklung in ihrer Heimat nicht zufrieden sind, wandern ab ins Ausland. Ihr Ziel: mehr Geld und mehr individuelle Freiheiten. Das führt inzwischen in vielen Bereichen zu großen Schwierigkeiten. Dem Gesundheitssektor fehlen inzwischen Ärzte. Auch die katholische Kirche muss sich immer häufiger kritische Fragen stellen lassen über ihre Rolle in den vergangenen Jahrzehnten. Wieder sind es vermehrt junge Menschen, die sich nicht länger in das tradierte Weltbild einfügen wollen. Knut Krohn

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