Politik : Nachrichten

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Vielleicht liegt es einfach nur an meinem Job. Dass ich – noch immer – ein Fan klassischer Nachrichtensendungen bin. Verantwortlich für die erste Seite meiner Zeitung, verbringe ich viel Zeit damit, aus all den Themen, all den Nachrichten und Bildern die wichtigsten, relevantesten, spannendsten auszuwählen. Oder denke darüber nach, was zu einer der Nachrichten werden könnte. Einer der Nachrichten, die auf der Titelseite landen. Am liebsten eigenrecherchierte. Wenn sie relevant genug sind. Wenn. Solche von Kampfhunden, betrunkenen oder frisch geschiedenen Stars sind es eher nicht.

Vielleicht liegt es einfach nur an meinem Job. Eine gute Nachrichtensendung ist ein bisschen wie die Titelseite einer Zeitung. Sie soll die Welt abbilden, natürlich auch die in der Nähe. Was beide eint, ist der Wunsch nach Gewichtung, Sortierung, kluger Auswahl. Erkläre mir die Welt, sage mir, was wichtig ist, was ich wichtig nehmen soll. Eine Aufgabe, die Nachrichtenjournalisten ernst nehmen. Aber auch eine Aufgabe, die immer größer wird, je mehr wir von Informationen und Bildern aus aller Welt überflutet werden, 24 Stunden, sieben Tage die Woche, je mehr wir ununterbrochen mit immer neuen Erregungen und Aufregungen konfrontiert werden. Und umso schwieriger, je weniger es sich Sender und Verlage leisten können oder wollen, ihre Mitarbeiter in die Welt hinauszuschicken, auf dass sie berichten und einordnen, was sie sehen und hören.

Vielleicht liegt es an meinem Job. Dass ich für Nachrichten am liebsten – noch immer – die „Tagesschau“ einschalte. Dass ich selbst die Papierstapel mag, die vor Sprechern (nicht Moderatoren) liegen, auch wenn sie dank Teleprompter meist nur noch zum Rascheln gebraucht werden. Die emotionsarm erscheinenden Nachrichtenpräsentierer, die mir ihre Empörung nicht vor die Füße kippen, die nicht theatralisch die Stirn runzeln, wenn sie von Interviewpartnern unbefriedigende Antworten bekommen. Die Sendungen, die die Genres noch trennen, hier die Nachricht, da der Kommentar. Die sachlichen Beiträge, deren Relevanz sich von selbst erschließt. Und die Journalisten, die sich in Gedanken an Hanns Joachim Friedrichs bemühen, neutral zu sein, sich mit einer Sache, wie gut sie auch sein mag, nicht gemein zu machen. Meine Meinung darüber bilde ich mir anschließend gerne selber. Über Kampfhunde, betrunkene oder frisch geschiedene Stars kann sich jeder gerne woanders „informieren“. 24 Stunden, sieben Tage die Woche.

Auffällig ist aber: Je globalisierter die Welt, je mehr wir also von ihr mitbekommen könnten, desto verlockender scheint der Blick vor die eigene Haustür. Weil es einfacher zu verstehen ist? Weil das andere doch so weit weg ist? Wenn ich mir was wünschen darf, dann das: Dass wir mehr und nicht weniger von der Welt erfahren. Und zwar das, was wirklich wichtig ist. Juliane Schäuble

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