Politik : Nachrichten

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Unter deutschen Militärs hat es lange eine Tradition des „Unpolitischen“ gegeben. Wolfgang Schneiderhan ist aber ein politischer Soldat – freilich in einem weiteren, nicht vom Parteibuch eingeengten Sinne. Als Generalinspekteur einer Armee im größten Umbruch ihrer Geschichte bleibt ihm ja auch gar nichts anderes übrig. Denn die militärischen Mittel und Möglichkeiten mit Anforderungen in Einklang zu halten, die sich oft binnen weniger Jahre völlig ändern können, setzt Einblick in und Verständnis für politische Prozesse in hohem Maß voraus.

Die Dynamik hat Schneiderhan sozusagen am eigenen Leibe gleich mehrfach erfahren. 1966 in die Bundeswehr eingetreten, hat der gebürtige Oberschwabe als Panzeroffizier die Hochphase des Kalten Kriegs ebenso miterlebt wie dessen Ende. Die Armee der Einheit kennt er aus der Perspektive des Panzerkommandeurs von 1994 bis 1997 in Erfurt. Deren Transformation zur Armee im Einsatz schließlich hat er selbst entscheidend mitgeprägt – die erste Phase unter dem Minister Rudolf Scharping als Leiter des Planungsstabs, die zweite unter Peter Struck seit 2002 als Generalinspekteur. Strucks Nachfolger Franz Josef Jung beließ den obersten Militär im Amt.

Einem Amt übrigens, das im Laufe der Jahre seinen Charakter erheblich verändert hat. Aus dem ersten Berater der Regierung in Militärfragen ist zunehmend zugleich der oberste Militär geworden, direkt zuständig etwa für die Führung der immer zahlreicher gewordenen Einsätze. Dass Schneiderhan nicht den Titel des Generalstabschefs trägt, hat historische Gründe; in der Sache ist der Unterschied zu Kollegen in anderen Ländern gering.

In den Vordergrund gedrängt hat sich der Vier-Sterne-General nie, schon gar nicht vor seinen Minister, egal, wie der hieß. Schneiderhan wirkt lieber im Stillen, seiner Macht ebenso bewusst wie der Grenzen des politischen Beamten. Öffentliche Auftritte sind eher selten. Dabei kann er nicht nur geschliffen formulieren und, wenn er will, auch witzig und ironisch sein; der General redet vor allem ziemlich allgemein verständlich. Da hilft die lange Erfahrung bei den Jungs von der Panzertruppe. Da hilft aber wohl auch der unüberhörbare heimatliche Akzent, der kühle Atmosphäre schwer aufkommen lässt. bib

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