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Als die Waffen am Strand des Flamingo Beach auf Sao Vicente schwiegen, die Übungsmunition verschossen und der Pulverqualm verraucht war, hatte der Nato-Oberbefehlshaber seinen Auftritt vor den Kameras: General James L. Jones stellte sich gut gelaunt den Fragen der Presse. Für seine Soldaten, die Hauptdarsteller der perfekt inszenierten militärischen Vorführung, dem Landemanöver auf den Kapverdischen Inseln, hatte er nur lobende Worte. Für den schlanken, 1,95 Meter großen US-General war das ein wichtiger Tag: Mit ihrer ersten großen Übung hatte die neue Nato-Eingreiftruppe NRF bewiesen, dass sie auch über große Entfernungen und in wüstenartigem Gelände einsatzfähig ist.

„Die NRF ist schließlich sein Baby“, meint ein hoher Nato-Diplomat im Brüssler Hauptquartier, der Jones seit dessen Amtsantritt 2003 aus der Nähe beobachtet hat. „Er war in schwieriger Zeit und für eine schwierige Aufgabe der richtige Mann.“ In die Zeit des 62-jährigen Oberkommandierenden fällt nicht nur die durch den Irakkrieg ausgelöste interne Krise der Nato, sondern auch der tiefgreifende Wandel von einem Bündnis, das auf die Verteidigung Westeuropas bei einem massiven Angriff vorbereitet war, zu einer militärischen Allianz, deren Streitkräfte weltweit zur Krisenbewältigung eingesetzt werden können. Dafür war tatsächlich ein General, der von den US-Marines kommt, der richtige Oberkommandierende. Die Marines sind eine Art Expeditionskorps, das zu Land, auf See und in der Luft eingesetzt werden kann. Jones, der im Vietnamkrieg diente und zum ranghöchsten General der Marines aufstieg, ist tief geprägt von dieser Elitetruppe.

„James L. Jones ist ein Diplomat in Uniform, elegant, weltgewandt, hochintelligent und europäisch geprägt“, charakterisiert ein Nato-Beamter im Brüssler Hauptquartier den Oberkommandierenden der Nato-Streitkräfte. Der US-General versteht die Europäer besser als die meisten US-Politiker im Umfeld von George W. Bush. Das machte ihn während der transatlantischen Krise nach dem Ausbruch des Irakkrieges zum idealen Vermittler zwischen den Europäern und seiner Regierung. Viele bedauern, dass Jones Ende des Jahres Brüssel verlässt und in den Ruhestand geht. tog

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