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Wissenschaftler und Experten haben auf die Entscheidungen von Politikern „weniger Einfluss, als sie gerne glauben, und wenn dann vor allem, wenn Politiker nicht wissen, was sie tun sollen“. Das fand Lawrence Freedman als Doktorand beim Begründer des Institutes für Kriegsstudien am Londoner King’s College, Michael Howard, heraus. Trotzdem wurde Freedman selbst ein solcher Experte. Dem renommierten Institut und der Wissenschaft vom Krieg ist er seit 1982 verbunden. „Entgegen den Behauptungen mancher Kollegen gehöre ich nicht zu denen, die fröhlich werden, wenn ein neuer Krieg beginnt“, sagt Freedman über seine Arbeit.

Als eines der wenigen multidisziplinären Forschungsinstitute für Krieg nimmt das „Institut for War Studies“ den Spruch Heraklits über den „Krieg als Vater aller Dinge“ ernst. Kriege haben das internationale System geformt, beeinflussen Literatur, Kunst und Musik, durchdringen die Erfahrung der Menschen und stellen sie vor die grundsätzlichsten Fragen von Ethik und Moral. „Es wäre töricht, in meinem Beruf optimistisch zu sein, aber zu deprimierend, Pessimist zu sein“, so Freedman auf die Frage, zu welcher Weltsicht ihn seine Studien geführt haben.

Freedmans Forschungen in den achtziger Jahren machten ihn zu einem führenden Theoretiker des Kalten Kriegs. Man lernte im Kalten Krieg, dass Eindämmungspolitik besser ist als große Krisen, nicht zuletzt weil die Agenten der Veränderung wie sozialpolitische oder wirtschaftliche Fragen in den großen Krisen in den Hintergrund gedrängt werden.

Freedmans „Kennedy’s Wars“ (2002) ist eine eminent lesbare Darstellung von, wie Freedman trotz des Titels sagt, „Kennedys Krisen, nicht heißen Kriegen“. Unter anderem kommt er zum Schluss, dass Kennedy für den Vietnamkrieg „auffallend schlecht vorbereitet war“. Wird er ein ähnliches Buch einmal über den amtierenden amerikanischen Präsidenten schreiben? Bush habe wohl nicht verstanden, was für ein außerordentlich ehrgeiziges Unternehmen der Irakkrieg war, glaubt Freedman. Wenn ein Land destabilisiert wird, in dem so lange eine brutale Diktatur herrschte, in dem es an Führungspersönlichkeiten fehlt, dürfe man sich nicht wundern, wenn die Lösung der Krise dauert. Zwei Dinge hat Freedman bei seinen Studien vor allem gelernt: Kriege und Krisen brauchen ihre Zeit. Wer sich auf sie einlässt, muss sich mit Geduld wappnen. Aber „Konflikte gehen auch vorüber“. Zum Verzweifeln gibt es deshalb keinen Grund. mth

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