Politik : Nachrichten

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Der Weg zum obersten Dienstherren der Bundeswehr war Franz Josef Jung nicht von Anfang an vorgezeichnet. Im Gegenteil, eine angepeilte Offiziersausbildung musste der Winzersohn abbrechen, als der Vater unerwartet starb und das heimische Weingut einen Verwalter brauchte. Erst als Angela Merkel den hessischen Fraktionschef und guten Freund seines Ministerpräsidenten Roland Koch in ihr Kabinett berief, konnte Jung an diese frühe Lebensplanung anknüpfen. Auch in anderer Hinsicht war der Wechsel in die Bundespolitik für ihn ein Déjà-vu. Die Kanzlerin und ihr Verteidigungsminister kannten und schätzten einander aus den Tagen der deutschen Einheit, als Jung – damals Generalsekretär der Hessen-CDU – die „Allianz für Deutschland“ schmieden half, die Basis für Helmut Kohls Sieg in der ersten gesamtdeutschen Wahl.

Kaum im neuen Amtssitz eingezogen, musste Jung seine Armee sofort auf eine neue Auslandsmission schicken. Der innenpolitisch umstrittene und von den europäischen Partnern wenig geliebte Kongo- Einsatz wurde für ihn zum nachhaltigen Lehrstück. Das Markenzeichen, lieber Klartext zu reden, als fünfmal um den heißen Brei herum, hat er mancher ernüchternden Erfahrung zum Trotz beibehalten. Denn die Soldaten, das ist sein festes Credo, haben Anspruch darauf, dass ihr Minister die Möglichkeiten und Grenzen, Chancen und Gefahren ihrer Einsätze unzweifelhaft benennt.

Auch im absehbaren Konflikt mit dem Koalitionspartner SPD über die künftigen Aufgaben der Bundeswehr, vor allem im Inneren, hat Jung über seine Position niemanden im Zweifel gelassen. Er sieht die Notwendigkeit, im Zeitalter asymmetrischer Kriege gegen Terroristen den Verteidigungsbegriff zu erweitern. Er will den Einsatz von Militär dort ermöglichen, wo Militär mehr und bessere Mittel hat als andere Sicherheitsbehörden, egal, ob jenseits oder diesseits der Landesgrenzen. Dass diese Haltung im neuen Weißbuch 2006 hinter mancher großkoalitionären Kompromissformel nicht mehr ganz so deutlich zu lesen ist, ficht ihn nicht übermäßig an. Jung weiß um die Zähigkeit politischer Prozesse, zumal wenn Fragen des Parteiprofils ins Spiel kommen. Er kann da nämlich selbst auch zäh sein. bib

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