Politik : Nachwuchsterroristen

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Zwei Jahre ist es jetzt her. Kurz nach dem 11. September 2001 tauchten Briefe mit Milzbrand-Erregern in den USA auf, und auch in Deutschland fanden sich Trittbrettfahrer. Wenn weißes Pulver aus Umschlägen rieselte, brach Panik aus. In Zeiten des Terrors mit Terror zu drohen – alles andere als ein Kavaliersdelikt. Vielleicht schenken wir Terrorwarnungen seitdem einfach mehr Aufmerksamkeit, vielleicht aber hat sich der Gedanke auch verselbstständigt, man könne mit Terrordrohungen sofort erreichen, was man will. Jedenfalls ist von zwei aktuellen Fällen zu berichten. In Sachsen-Anhalt gab die Polizei bekannt, sie habe zwei Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren ausfindig gemacht. Die beiden hatten per Bombendrohung einen Polizeieinsatz in ihrer Schule in Oschersleben ausgelöst. Früh am Morgen hatte es bei der Notrufzentrale geklingelt: Innerhalb einer Stunde werde die Puschkinschule in die Luft fliegen. Wegen der Räumung fiel die erste Stunde aus. Die beiden Übeltäter müssen nun den Polizeieinsatz bezahlen. Weniger glimpflich kommt eine Amerikanerin davon. Die 20-Jährige muss für zwei Jahre ins Gefängnis. Sie hatte während einer Zehn-Tages-Kreuzfahrt mit ihren Eltern per Brief angekündigt, alle Amerikaner unter den 2400 Gästen an Bord würden sterben. Auch hier gab es einen Großeinsatz der Polizei. Mindestens 120 Sicherheitskräfte durchsuchten das Schiff – und fanden nichts. Nur die 20-Jährige, damals schwanger, ging ihnen ins Netz. Für ihre Drohung hätte sie auch 20 Jahre bekommen können. Dass das Gericht sich milde zeigte, liegt an der Reue, die die 20-Jährige gezeigt haben soll. Vielleicht ging dem Gericht auch das Motiv der jungen Frau zu Herzen. Zehn Tage auf dem Pazifik, zwischen Mexiko und Hawaii, zusammen mit den Eltern – das habe sie einfach nicht ertragen können. Da habe sie eben zurück zu ihrem Freund gewollt, schwanger wie sie war. Nun ja. Deshalb gleich eine Drohung mit Massenmord? Dem Kind übrigens, das während des Verfahrens geboren wurde, geht es gut.

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