Nackt-Scanner : Airport ohne Peepshow

Die Nackt-Scanner haben eine Debatte zwischen Terror und Porno losgetreten. Von Zwangs-Strip, FKK am Flughafen oder Entkleidungstheater ist die Rede. Nun hat sich die Regierung gegen den umstrittenen Scanner ausgesprochen. Innenminister Schäuble will einem Voyeurismus-Vorwurf vorbeugen.

Basil Wegener[dpa]
Nackt-Scanner
Anstößige Nacktheit. Die umstrittenen Bilder. -Foto: dpa

Berlin/Luxemburg Selten hat ein technischer Vorschlag Politiker quer durch die Parteien zu solch saftigen Kommentaren veranlasst. Einen Zwangs-Strip wolle die EU-Kommission, eine Massenerniedrigung. Vor FKK auf dem Flughaften, Peepshows im Airport oder unfreiwilligem Entkleidungstheater warnten die Abgeordneten von der Linken bis zur Union. Kaum zwei Tage lang tobte in Deutschland der Sturm des Protestes gegen das Vorhaben der Kommission, "Nackt- Scanner" zuzulassen. Dann setzte sich die Bundesregierung an die Spitze der Kritiker. Den Passagieren in Deutschland wird die strittige Technik wohl erspart bleiben.

"Da kann ich Ihnen mit aller Klarheit sagen, dass wir diesen Unfug nicht mitmachen", so eine Sprecherin des Innenministeriums, Gabriele Hermani. Am Rande eines Treffens der EU-Innenminister in Luxemburg bekräftigte Minister Wolfgang Schäuble (CDU), dem sonst oft überzogenes Sicherheitsdenken vorgeworfen wird: "Ich will nicht, dass die Bundespolizisten in das Licht kommen, sie seien heimliche Spanner." Wenn sie Nacktbilder produzieren, werden die fraglichen Geräte "natürlich" nicht eingesetzt.

Das übliche Entblättern

Es dürfte also dabei bleiben, dass an deutschen Sicherheitsschleusen Jacken ausgezogen, Gürtel geöffnet und Uhr sowie Schmuck ins Plastikschälchen gelegt werden müssen. Abtasten ja - virtuell die Hüllen fallenlassen nein, heißt weiter die Maxime.

Zuerst waren es EU-Parlamentarier, die die Science-Fiction-Idee skandalös fanden. Elektromagnetische Strahlen durchleuchten bei dem Gerät die Kleider, die Körper erscheinen nackt auf dem Monitor, auch Genitalien, Waschbrett- oder Speckbäuche. "Entwürdigend" war das für viele Abgeordnete. Dann folgten die deutschen Parlamentarier. Zuerst die von Opposition und SPD, dann jene der Union. Grundgesetzwidrige Eingriffe in die Intimsphäre witterten die Innenpolitiker. Verfolgungswahn warfen viele der Kommission vor. Mit ausreichendem Sicherheitspersonal könne man Keramikmesser oder Plastiksprengstoff auch ohne die zweifelhaften Hightech-Geräte erkennen, versicherten die Polizeigewerkschaften.

Für ein paar Minuten mehr

Für die gescholtene Kommission war alles halb so wild. Schließlich hatte sie Bedingungen berücksichtigt, die der Verkehrsausschuss des Europaparlaments aufgestellt hatte: Passagiere sollen nicht zum Gang durch den Körper-Scanner gezwungen werden; eine Speicherung soll es nicht geben; und räumliche Trennung von Kontrolleur und Kontrolliertem soll eine Zuordnung von Nacktbild zum Fluggast verhindern. Die Passagiere würden Zeit sparen, hieß es treuherzig in Brüssel, wenn sie sich fürs Scannen statt Abtasten entscheiden.

So hatte die von Verkehrspolitikern angestoßene Debatte zwischen Terror und Porno, zwischen technischen Details und unheimlichen Schwarz-Weiß-Bildern auch etwas Skurriles. Schäuble sah sich zu der Ermahnung veranlasst, dass "die innere Sicherheit nicht lächerlich" gemacht werden soll. "Jene, die für innere Sicherheit zuständig sind, hätten das schon ein bisschen klüger gemacht", mokierte sich der Minister.

Angesichts der ständigen Neuerungen der Sicherheitstechnik und den anhaltenden Entstehungsgründen für internationalen Terrorismus dürfte es nicht die letzte erhitzte Diskussion über die Grenze zwischen Freiheit und Sicherheit gewesen sein. Falls es einmal Geräte gibt, die ohne Nacktbilder ein Abtasten ersetzen, dann wäre das richtig, meinte Schäuble.

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