Politik : Nackte Macht

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Neulich an der Humboldt-Universität, wo ein paar Berliner Journalisten ein paar Dutzend fast vollendeten Geisteswissenschaftlern die Vorzüge und Nachteile der Medien-Arbeit nahe bringen wollten, kam einer der Studenten auf die simple Frage: „Macht ist doch etwas Schlechtes, oder?“ Tja. Jedenfalls ist die Macht der Mächtigen etwas, mit dem sich die Presse tagtäglich reiben muss. In großer Nähe.

Nun hat die Macht natürlich Strategien entwickelt, um sich die Beobachter vom Leibe zu halten. Uniforme Sprache, uniforme Kleidung, uniforme Rituale beispielsweise. Nur manchmal, da ist alles ganz anders. Da gibt es also einen Politiker, der nicht aus Deutschland stammt, hier aber häufig zu tun hatte. Ein wichtiger Mann, der viel für den Frieden in der Welt getan hat. Gut, genug der Hinweise, lassen wir ihm seine Anonymität. Frisch in der Hauptstadt eingeschwebt merkte er: Mein Koffer kommt nicht! Mit leeren Händen bezog er sein Hotelzimmer und ging dann erst mal los, sich eine Grundversorgung neuer Wäsche zuzulegen. Zum vereinbarten Interviewtermin kurz danach klopften zwei Journalisten an seine Tür. Der Politiker, aus einem als prüde geltenden Land, öffnete splitterfasernackt und griff nach seinem Handtuch. Errötend wollten sich die Journalisten zurückziehen, doch der Politiker sprach: Nein! Kommt doch rein! Bin ja fertig geduscht! Kein Problem! Er insistierte. Während des Interviews zog er sich dann die neuen Socken an. Und das Hemd. Und eine Hose.

Merke: Macht kann gut oder schlecht sein, auf jeden Fall sieht sie, zumindest nackt, unglaublich menschlich aus. Narben, Pickel, Kratzer… Robert von Rimscha

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