Politik : Nächste Ausfahrt Wien (Kommentar)

ame

Der ehemalige FPÖ-Vorsitzende Jörg Haider freut sich schon auf den Tag, an dem die 14 EU-Staaten den Boykott Österreichs beenden. Er wird erklären, dass es der EU nicht gelungen sei, Österreich in die Knie zu zwingen. Vielleicht wird er auch ein paar freundliche Worte für Herrn Chirac finden - so wie er sich auch schon in der Vergangenheit unflätig über den französischen Staatspräsidenten geäußert hat. Aber das Schlimmste wird sein: Die 14 EU-Staaten können wenig tun, um diesen kleinen Triumph Haiders zu verhindern. Denn die Boykottfront bröckelt, weil das Fernziel der diplomatischen Maßnahme gegen Wien unklar ist. So richtig es war, die Regierungsbeteiligung der fremdenfeindlichen "Freiheitlichen" anzuprangern, so illusorisch erscheint dennoch die Vorstellung, die 14 EU-Staaten könnten die FPÖ aus dem Kabinett in Wien werfen. Nun hat am vergangenen Wochenende Joschka Fischer auf den regnerischen Azoren für seine Wiener Amtskollegin Benita Ferrero-Waldner einen Schirm aufgespannt, und angestrengt denken die 14 über eine Strategie zur Milderung des Boykotts nach, die es allen Beteiligten erlaubt, ihr Gesicht zu wahren. Als fatal erweist es sich nun, dass es objektive Kriterien zur Beendigung der Isolierungs-Maßnahmen nicht gibt. Dafür aber einen Trost: Entgegen allen Unkenrufen haben die Sanktionen die Haider-Truppe nicht gestärkt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben