Politik : Nächste Tankstelle Bagdad

Warum den USA ein Regimewechsel helfen würde

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Von Birgit Cerha, Beirut

Was immer die wahren Motive der US-Administration für den erstrebten Regimewechsel im Irak sein mögen – es wäre naiv, das Erdöl auszuschließen. Die USA importieren 52 Prozent ihres Bedarfs, davon 30 Prozent aus den arabischen Ländern des Persischen Golfs. Saudi-Arabien hält mit 18 Prozent den größten Anteil, auch der Irak ist Lieferant. Bis 2020 werden die Importe auf zwei Drittel steigen, die Hälfte davon aus den Golfstaaten. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 kriselt es in der „Vernunftehe“ zwischen den Saudis und Amerikanern, einer seit Jahrzehnten währenden Beziehung, in der Washington dem saudischen Königshaus Sicherheit und damit politisches Überleben sowie sich selbst durch deren dominierende Position in der Organisation der Erdölexporteure Opec einen relativ niedrigen Ölpreis garantiert. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Aussicht auf eine amerika-freundliche Führung am Tigris für Washington enorme Attraktivität.

Irak verfügt mit 120 Milliarden Barrel über die zweitgrößten gesicherten Rohölreserven der Welt – vielleicht sogar 300 Milliarden Barrel, wie der stellvertretende Ölminister Taha Hamud jüngst meinte. Die Förderung dieses Öls ist wie das der Nachbarstaaten Saudi-Arabien und Kuwait billig und einfach. Eine neue Regierung in Bagdad hätte keine Probleme, die Kapazitäten zur Ölproduktion binnen fünf Jahren von derzeit fast drei Millionen auf sechs Millionen Barrel am Tag auszuweiten. Allerdings bedarf es dafür massiver Investitionen und westlichen Know-hows. Eine mit US-Hilfe an die Macht gehievte Regierung würde amerikanischen Konzernen einen Löwenanteil am Ölgeschäft sichern und auch andere US-Firmen vorrangig mit dem Wiederaufbau des Landes beauftragen müssen. Der Irak wäre wahrscheinlich das erste Opec-Land, dessen Ölindustrie nicht mehr in staatlicher Hand läge.

Wenn ein neues irakisches Regime seine Einkünfte auf ein Maximum in die Höhe triebe und damit seine Ölproduktion verdoppelte, würde es damit Saudi-Arabiens dominierende Position auf dem Weltölmarkt beenden – eine Aussicht, die Washington angesichts der politischen Unsicherheiten im Königreich willkommen sein muss. So manche Experten verheißen deshalb der Opec den Tod, sollten die USA Saddam stürzen.

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