Politik : Nagelproben

Antje Sirleschtov

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Der demokratische Streit der Parteien um all das, was gerecht und sozial ist, wird offenbar härter. Das merkt man zwar nicht, wenn man dieser Tage im Berliner Regierungsviertel aus dem Fenster sieht. Still und friedlich liegt es da, das Kanzleramt. Und auch in den Fluren der Abgeordneten herrscht nachösterliche Bedächtigkeit. Noch dröhnen die Schlachtrufe der Politiker vor allem aus den Wahlkreisen. Doch der Ton wird härter. Zweifellos. Da taucht etwa dieser Tage immer wieder das Wort von der Nagelprobe auf. Klingt martialisch. Lässt außerdem den unbedingten Willen zur Durchsetzung erkennen. Beim Juso-Chef Niels Annen etwa, der die Ausbildungsplatzabgabe zur Nagelprobe des Kanzlers ernannt hat. Oder bei Petra Pau, einer der zwei verbliebenen PDS-Abgeordneten im hohen Hause, die die Einführung der Vermögensteuer zur Nagelprobe der Regierung erkor. Übrigens: Sie tat es auf ihrer Internet-Seite.

Doch zurück zu der Frage, ob die Heftigkeit der Auseinandersetzung in der Sache nun auch zur körperlichen Auseinandersetzung führt. Nagelprobe klingt, als wolle einer dem Kanzler mal richtig auf die Finger hauen. Auf den Nagel eben. Und wenn der dann nicht zurückzuckt vor Schmerz, dann hat er den Nagelproben-Test bestanden? Oder wie?

Fragen wir das etymologische Wörterbuch. Dort werden wir beruhigt. Denn da heißt es, dass die Nagelprobe bestanden ist, wenn man auf die Gesundheit eines anderen angestoßen und danach das Glas verkehrt herum über den Nagel eines Fingers gestülpt hat. Tropft nichts raus, ist die Probe bestanden. Das klingt doch demokratisch oder nicht? Prost.

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