Naher Osten : Blair nennt Irak-Einsatz "Desaster"

Der britische Premierminister Tony Blair hat die US-geführte Invasion im Irak in einem TV-Interview indirekt als Desaster bezeichnet, sich anschließend aber rasch von diesem Eingeständnis distanziert.

London/Bagdad - Auf die Feststellung eines Journalisten des Senders al Dschasira, der Einmarsch im März 2003 sei "ein ziemliches Desaster" gewesen, sagte Blair am Freitag zustimmend: "Das ist es gewesen." Das Amt des Premierministers in London sprach später von einem Versprecher. Bei Anschlägen kamen am Sonntag im Irak mindestens 40 Menschen ums Leben.

Blair gab in dem am Freitag geführten Interview mit dem englischen Ableger von al Dschasira den Kämpfen zwischen Sunniten und Schiiten die Schuld an der katastrophalen Lage im Irak. Nicht Planungsfehler, sondern der "Wille einer Minderheit zum Krieg" seien der Grund für die andauernde Gewalt. Blair lehnte einen Abzug der britischen Truppen aus dem Zweistromland ab. Das Militär werde so lange dort bleiben, wie es von der irakischen Regierung benötigt werde.

Downing Street versuchte am Samstag, das indirekte Eingeständnis Blairs herunterzuspielen. Der Premier halte das Irak-Engagement keineswegs für ein Desaster, sagte ein Sprecher. Es habe sich um einen "Versprecher" gehandelt, "manchmal hört er nur halb auf die Frage", fügte er hinzu. Blair habe herausstellen wollen, dass die Gewalt im Irak "sehr, sehr schwierig ist", hatte zuvor ein anderer Sprecher gesagt.

Die britische Opposition nutzte den Ausrutscher für neue Kritik an Blair. Die Bemerkung des Premiers unterstreiche die Notwendigkeit einer Untersuchung über die Gründe für die Teilnahme Großbritanniens am Irak-Krieg, sagte ein Sprecher der Konservativen. Wenn Blair das Wort "Desaster" akzeptiere, dann solle er sich beim Parlament und seinem Volk für seine bisher geschönte Irak-Bilanz entschuldigen, forderte der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Sir Menzies Campbell.

In der südirakischen Stadt Basra traf der britische Finanzminister und voraussichtliche Nachfolger Blairs, Gordon Brown, am Samstag zu einem unangekündigten Truppenbesuch ein. Brown hatte laut einem BBC-Bericht eine Wiederaufbauhilfe für den Irak in Höhe von 100 Millionen Pfund (147 Millionen Euro) für die nächsten drei Jahre in Aussicht gestellt. Derzeit sind etwa 7200 britische Soldaten vornehmlich im Süden des Landes stationiert.

Syrischer Außenminister im Irak erwartet

Der syrische Außenminister Walid Muallem wurde zu seinem ersten Besuch im Irak seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein erwartet, wie der kurdisch-irakische Abgeordnete Mahmud Otman sagte. Muallem soll demnach dem irakischen Regierungschef Nuri al Maliki und seinen Kollegen Hoschjar Sebari in Bagdad treffen.

Die irakische Polizei machte nach eigenen Angaben das Versteck von fünf im Irak entführten westlichen Sicherheitsleuten ausfindig. Er hoffe, dass die Geiseln "bald" befreit werden könnten, sagte der für die Region Basra zuständige Polizeigeneral Ali Mussawi am Samstag. Die fünf Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Crescent Security Group (CSG) - vier US-Bürger und einen Österreicher - waren am Donnerstag in der Nähe von Safwan nahe der kuwaitischen Grenze verschleppt worden.

In der Hauptstadt Bagdad erschütterte eine Serie von drei Autobombenanschlägen einen Busbahnhof in einem mehrheitlich von Schiiten bewohnten Viertel. Zehn Menschen kamen ums Leben, 45 wurden verletzt. Acht Landarbeiter starben, als ihr Fahrzeug in Saadija al Dschabal, 90 Kilometer östlich von Baakuba, in den Kugelhagel von Aufständischen geriet. (tso/AFP)

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