Politik : Naher Osten: Israels Regierung uneins

Der israelische Außenminister Schimon Peres hat mit seiner Forderung, die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern umgehend wieder aufzunehmen, für Streit in der Regierung gesorgt. Peres habe sich vor Abgeordneten der Arbeitspartei für "offene, direkte und öffentliche Verhandlungen" ausgesprochen, sagten drei Parteifreunde im israelischen Militärradio. Ein Sprecher des Außenministeriums dementierte die Äußerungen.

Der Likud-Minister Danny Naveh forderte die Fortsetzung des Regierungskurses und schloss Verhandlungen kategorisch aus: "Der Druck auf Jassir Arafat muss aufrecht erhalten werden." Die israelische Armee drang in der Nacht zu Freitag erneut auf palästinensisches Gebiet vor und zerstörte drei Posten der Leibgarde von Palästinenserpräsident Arafat.

Peres steht mit seinen Äußerungen auch in direktem Widerspruch zu Ministerpräsident Ariel Scharon. Der Likud-Chef macht die Aufnahme neuer Verhandlungen mit den Palästinensern von einer einwöchigen "Ruhephase" der gegenseitigen Gewalt abhängig. Wiederholt hatten beide Politiker auf ihre Meinungsverschiedenheiten aufmerksam gemacht. Während Peres etwa Arafat als "Partner" bezeichnet, sieht Scharon ihn als "Terrorist". Am Mittwoch hatte sich Peres auch von Äußerungen des Generalstabschefs Schaul Mofaz distanziert, der die palästinensische Autonomiebehörde als "terroristische Einheit" bezeichnete.

In der Nacht zu Freitag zerstörte die israelische Armee eigenen Angaben zufolge mit Panzergeschossen drei Stellungen von Arafats Leibgarde "Force 17". Die Posten bei Ramallah im Westjordanland hätten sich in einem vollständig von der palästinensischen Autonomiebehörde verwalteten Gebiet befunden, sagte ein israelischer Armeesprecher. Mit dem Beschuss reagierte die Armee auf den Tod eines jüdischen Siedlers. Nach Polizeiangaben wurde der 17-Jährige am Vorabend nahe der Siedlung Givat Zeev aus einem Minibus heraus beschossen. Er sollte am Nachmittag in Jerusalem beerdigt werden.

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