Politik : Naher Osten: Vergeltung nach Mord an israelischen Kindern

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Die israelische Armee hat am Mittwochabend mit ihren Vergeltungsangriffen gegen die Palästinenser auf eine ganze Anschlagsserie reagiert. Hubschrauber schossen Raketen auf palästinensische Ziele in Gaza und Ramallah ab. Israels Regierungschef Ariel Scharon hatte zuvor die Vergeltung angekündigt. Bei den Anschlägen waren mehrere Menschen, darunter auch wieder israelische Kinder, getötet worden. Aus Furcht vor dem Vergeltungsschlag hatten palästinensische Beamte ihr Hauptquartier in Ramallah geräumt.

Ein Anschlag eines palästinensischen Selbstmordattentäters galt am Mittwoch einer Gruppe von sieben israelischen Religionsschülern, welche bei der Ortschaft Neve Yamin, in der Nähe eines Überganges zu den palästinensischen Gebieten, auf einen Schulbus warteten. Der Attentäter zündete eine Bombe und riss dabei zwei der Jugendlichen mit in den Tod. Zwei weitere Kinder wurden schwer verletzt. Die palästinensische Untergrundorganisation Hamas bekannte sich zu dem Anschlag und übernahm auch die Verantwortung für ein Selbstmordattentat vom Vortag in Jerusalem. Am Morgen waren zudem in der Küstenstadt Netanja sowie in Petah Tikvah zwei Bomben rechtzeitig entdeckt worden.

In Hebron, wo am Dienstag ein 10-monatiges jüdisches Siedler-Baby von einem palästinensischen Scharfschützen durch einen gezielten Kopfschuss getötet worden war, kam es am Mittwoch erneut zu schweren Ausschreitungen der militanten Siedler. Diese zerstörten palästinensisches Eigentum und leisteten den eingreifenden israelischen Soldaten heftigen Widerstand. Die Palästinenser meldeten den Tod eines Elfjährigen und schwere Verletzungen von vier weiteren Jugendlichen durch Schüsse israelischer Soldaten bei Zusammenstößen bei einem Flüchtlingslager bei Rafiah im Gazastreifen. Israel erklärte dazu, die eigenen Truppen seien zuvor von den Palästinensern mit Granaten angegriffen worden.

Palästinensischen Angaben zufolge kamen Palästinenser am Erez-Grenzübergang im Norden des Gazastreifens unter Beschuss jüdischer Siedler. Diese hätten verhindern wollen, dass die Männer nach Israel ausreisten. Die Regierung Ariel Scharon hatte in den vergangenen Tagen mehreren Hundert palästinensischen Geschäftsleuten die Einreise nach Israel erlaubt.

In dem Ort Dschaba bei Dschenin im Norden des Westjordanlands erstickte am Mittwoch eine etwa 70-jährige Palästinenserin, als ein von israelischen Soldaten geworfener Tränengasbehälter in ihrer Wohnung landete. Die Frau sei an der Inhalation des Gases gestorben, meinten Ärzte im Krankenhaus von Dschenin.

Scharon erörterte unterdessen mit US-Präsident George W. Bush und dessen Außenminister Colin Powell die Sicherheitslage. In Telefongesprächen am Dienstagabend habe Scharon den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat persönlich für das Blutvergießen verantwortlich gemacht, hieß es. US-Außenamtssprecher Richard Boucher sagte, in dem Gespräch mit Powell habe Scharon über die Schwierigkeit gesprochen, angesichts der von Palästinensern ausgehenden Gewalt Blockaden aufzuheben und den Druck auf die palästinensische Zivilbevölkerung zu lindern. Boucher rief die Konfliktparteien erneut auf, direkte Gespräche zur Lösung der Krise zu beginnen.

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