Politik : Nahost: Angriff auf Arafat

Charles A.landsmann

Mit heftigen Angriffen aus der Luft und von der See aus hat Israel am Mittwoch auf einen Anschlag militanter Palästinenser reagiert. Die Armee nahm die Amtssitze von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in Ramallah und Gaza-Stadt unter Beschuss. 15 Personen wurden dabei getötet. Arafat blieb unverletzt. Die israelischen Angriffe waren die schwersten seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes gegen die Besatzungsmacht Israel vor fast anderthalb Jahren. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hat nach Informationen aus Regierungskreisen aber entschieden, Anschläge künftig noch härter zu ahnden.

Arafat zeigte sich von dem Beschuss unbeeindruckt, obwohl die Rakete eines Kampfhubschraubers nur wenige Meter von seinem Büro in Ramallah entfernt eingeschlagen war. "Die Israelis verweigern sich dem Friedensprozess, dennoch werden wir die palästinensische Flagge auf den Mauern Jerusalems hissen", sagte der Palästinenserpräsident.

Zuvor hatte ein Kommando von Arafats Fatah-Bewegung einen Offizier und fünf Soldaten eines Armeepostens im Westjordanland aus nächster Nähe erschossen. Dem Kommando-Überfall war eine genaue Beobachtung vorangegangen, denn die achtköpfige israelische Einheit hatte nur eine Stunde zuvor den Kontrollposten übernommen. Der Kommandant und fünf Soldaten wurden von mehreren Palästinensern überrascht und per Kopfschuss getötet, ein weiterer, schlafender Soldat angeschossen und für tot gehalten, während sich der einzige unverletzte Überlebende noch immer im Schockzustand befindet.

Nur wenige Meter neben Jassir Arafats Kanzlei in Ramallah, wo er seit Monaten unter israelischem Hausarrest steht, schlug eine von der israelischen Luftwaffe abgefeuerte Rakete ein - so nah wie noch nie. Bei den Attacken auf Ramallah wurden zwei Palästinenser getötet, in Gaza vier Menschen beim Beschuss des dortigen Hauptquartiers von Arafat durch israelische Marineboote. Ein Luftangriff auf das Polizei-Hauptquartier nahe dem Flüchtlingslager Jabaliyah forderte keine Toten. Die schwersten Kampfhandlungen konzentrierten sich allerdings diesmal auf Stellungen der palästinensischen Sicherheitskräfte in der größten Westbankstadt Nablus und deren Umgebung, wo nicht weniger als neun Palästinenser ums Leben kamen.

Scharon berief am Mittwoch das Sicherheitskabinett zu dreistündigen Beratungen ein, die aber nicht in neuen Beschlüssen endeten, sondern in Empfehlungen für das Sicherheitskabinett. Israel wird demnach seine Militäraktionen im nördlichen Westjordanland verschärfen. Die Kontrollposten der Armee werden nicht nur teilweise verlegt, sondern ausgebaut und in jeder Hinsicht verstärkt.

Appell der Europäischen Union

Madrid (dpa). Die Europäische Union hat zur Beendigung der Gewalt im Nahen Osten und zur Aufnahme von Friedensverhandlungen aufgerufen. Die Konfliktparteien sollten dafür sorgen, dass die Lage in der Region sich beruhige, heißt es in einer Erklärung, die die spanische EU-Ratspräsidentschaft am Mittwoch in Madrid veröffentlichte. Im Nahostkonflikt gebe es keine militärische Lösung. Die Politiker auf beiden Seiten sollten dafür sorgen, dass Israelis und Palästinensern eine andere Perspektive aufgezeigt werde als fortdauernde Gewalt und Leiden, hieß es in der Erklärung weiter.

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