Nahost : Anschlagsserie im Irak

In Bagdad und Chales sind bei Attentaten mindestens 88 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 150 Menschen wurden verletzt. Islamische Religionsgelehrte appellierten an die Iraker, das Blutvergießen zwischen Sunniten und Schiiten zu beenden.

Bei einem verheerenden Terroranschlag auf einem belebten Markt in Bagdad sind mindestens 76 Menschen ums Leben gekommen. Zwei Selbstmordattentäter zündeten kurz hintereinander zwei Autobomben auf dem Markt in dem Innenstadt-Viertel Bab al Schargi. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, 155 weitere Zivilisten seien bei dem Doppelanschlag verletzt worden. Da viele von ihnen lebensgefährlich Verletzungen davongetragen hätten, müsse mit einem Anstieg der Opferzahlen gerechnet werden. Der Haradsch-Markt, auf dem vorwiegend Schiiten verkaufen und einkaufen, war schon mehrfach Ziel von Terroranschlägen gewesen.

Dutzende von Militärfahrzeugen blockierten nach dem Anschlag die umliegenden Straßen, in denen sich verzweifelte Menschen drängten, die wissen wollten, ob ihre Angehörigen unter den Opfern sind.

Nach Angaben von Augenzeugen zündeten die Attentäter kurz hintereinander ihre Bomben. In ihren Fahrzeugen hatten sie laut Innenministerium eine tödliche Mischung aus Sprengstoff, Minen und Granaten versteckt. In jedem Auto seien jeweils rund 85 Kilogramm Sprengstoff zur Explosion gebracht worden. In der kommenden Woche wollen die irakische Regierung und die US-Armee mit der Umsetzung des neuen Sicherheitsplans für Bagdad beginnen. Dafür hat die US-Armee ihre Truppenpräsenz in der irakischen Hauptstadt bereits verstärkt.

Religionsgelehrte fordern Ende des Blutvergießens

Bei einem weiteren Doppelanschlag sind mindestens zwölf Menschen getötet und weitere 29 verletzt worden. Die beiden Anschläge ereigneten sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen fast zeitgleich in Chales rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad. Dabei seien eine Bombe explodiert und eine Mörsergranate abgefeuert worden, hieß es. Zuvor waren in Bagdad bei einem Doppelanschlag mindestens 74 Menschen getötet worden.

Islamische Religionsgelehrte appellierten unterdessen an die Iraker, das Blutvergießen zwischen Sunniten und Schiiten zu beenden. In einer gemeinsamen Erklärung der Gelehrten, die zum Abschluss einer Konferenz in Doha veröffentlicht wurde, hieß es: "Der Krieg zwischen den Sunniten und Schiiten führt zu einem Zerfall des Iraks und lenkt die Menschen von dem eigentlichen Feind ab, der unserer islamischen Nation auflauert." Es sei grundsätzlich eine Sünde, wenn Muslime andere Muslime töteten.

Der einflussreiche ägyptische Religionsgelehrte Scheich Jussif al Karadawi, der Vorsitzende der internationalen Union der islamischen Religionsgelehrten, erklärte in seiner Rede zum Abschluss der Konferenz, die Gelehrten wollten eine Delegation nach Teheran schicken. Diese solle die iranische Regierung bitten, zu einer Beruhigung der Sicherheitslage im Irak beizutragen. (tso/AFP/dpa)

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