Politik : Nahost: Der Vatikan gratuliert

Charles A.landsmann

Die umstrittene Moschee neben der Verkündigungskirche in Nazareth wird nicht gebaut. Die israelische Regierung jedenfalls hat frühere Entscheidungen umgestoßen, dem Druck des amerikanischen Präsidenten und des Vatikans nachgegeben und sich mit der muslimischen, arabischen Minderheit angelegt. Nach dem Bauverbot sind Demonstrationen und Ausschreitungen zu erwarten. Der Stadt Nazareth stehen stürmische Zeiten bevor. Am "Tag des (arabischen) Landes" Ende des Monats wird die Stadt Jesus in Nordisrael wahrscheinlich von Unruhen erschüttert werden. Denn die israelische Regierung hat per Mehrheitsentscheid beschlossen, dass neben der großen Verkündigungskirche keine große Moschee gebaut werden darf.

Sie hat damit sich für den Grundsatz entschieden "Besser Frieden mit der christlichen Welt als Frieden zu Hause mit den Muslimen in Israel" - so die Zeitung "Haaretz". Man könnte auch sagen, sie habe dem Wunsch des amerikanischen Präsidenten George W. Bush entsprochen und dem zunehmend massiver werdenden Druck von Papst Johannes Paul II. nachgegeben. Oder sie hat sich zwischen zwei schlechten Alternativen entscheiden müssen, weil die sich in deutlicher Überzahl befindlichen Muslime jeden vernünftigen Kompromiss ablehnen.

Der Regierungsentscheid umfasst sechs Punkte: Es wird keine Moschee auf dem umstrittenen Grundstück gebaut. Den Muslimen werden sieben Alternativ-Standorte angeboten, teilweise in nächster Nähe, und für sofortigen Baubeginn. Das Grabmal von Shihab A-Din auf dem umstrittenen Grundstück wird renoviert ohne den Status des Ortes zu verändern. Zwischen dem Grabmal und der Straße sowie dem restlichen Platz wird eine Trennungwand errichtet. Der ursprüngliche Plan der Stadtverwaltung von Nazareth, einen öffentlich-touristischen Platzes zu errichten, wird überprüft.

Die Reaktionen sind erwartungsgemäß ausgefallen. Der Vatikan gratuliert, der von den Moslems kontrollierte Rat der Araber in Israel verkündet Kampfmaßnahmen. Der Vatikan-Vertreter im Heiligen Land spricht von einem "weisen und mutigen Beschluss, den wir begrüßen". Für die Gegenseite handelt es sich aber um eine "schlimme Entscheidung", beruhend "offensichtlich auf politischen anstatt auf objektiven oder professionellen Überlegungen". Doch Scharansky mit seiner Einwandererpartei und Scharon mit seinem Vorgehen gegen die Palästinenser können ohnehin keine Stimmen im arabischen Bevölkerungssektor erwarten, sind aber auf steter Jagd nach internationaler Unterstützung. Wenn es deshalb eines Bauverbotes für die Moschee bedarf, um Spannung mit den USA und der christlichen Welt zu vermeiden, dann wird eben ein solches beschlossen.

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