Politik : Nahost-Dialog: Neue Gespräche am Sonntag

dap

Fünf Tage nach dem Scheitern des Nahost-Gipfels in Camp David treffen die Unterhändler Israels und der Palästinenser am Sonntag zu neuen Gesprächen zusammen. Wie ein Mitglied der israelischen Verhandlungsdelegation, Gilad Scher, am Donnerstag mitteilte, setzen Oded Eran für Israel und Saeb Erakat für die Palästinenser die Verhandlungen fort. Den Termin bestätigte ein Mitarbeiter der palästinensischen Autonomiebehörde im Gazastreifen. In Camp David habe es vor allem in der Frage der Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge Fortschritte gegeben, deshalb müsse weiter verhandelt werden, sagte Scher im israelischen Rundfunk. Einzelheiten zu den Inhalten der Gespräche der Unterhändler wollte Scher nicht nennen.

Der israelische Rundfunk berichtete am Mittwochabend unter Berufung auf "die höchste politische Quelle", des Landes, was Regierungschef Ehud Barak in Camp David zu geben bereit war: 88 Prozent des besetzten Westjordanlands und des Gazastreifens, so vermeldete Radio Israel sollten die Palästinenser im Rahmen eines Friedensabkommens erhalten. Deutlich weniger, als die geforderten 100 Prozent. Dazu einige arabische Siedlungen am Ostrand Jerusalems, auf denen Arafat dann seine Palästinenserhauptstadt "Al Quds" (die Heilige) bauen sollte. Insgesamt, so gaben "die höchsten politischen Kreise" vor mitreisenden Reportern bei der Rückreise vom Gipfel bekannt, wurden bei der Klausur Vorschläge und Ideen diskutiert, die - so ein Teilnehmer - "bisher als undenkbar galten".

Die Absicht hinter der gezielten Veröffentlichung durch Barak oder seine engsten Vertrauten kurz nach dem Gipfeltreffen: Erstmals sollten die Israelis aus erster Hand erfahren, was sich wirklich in den gemütlichen Blockhäusern von Camp David abspielte. Wochenlang waren die Israelis während des Gipfels durch die Medien ihres Landes in Atem gehalten worden. Spekulationen und Gerüchte über Forderungen, Fortschritte und Rückschläge bei den Verhandlungen füllten zahllose Seiten, weckten Hoffnung, erzeugten Empörung. Fast täglich wartete die Presse in Israel mit neuen Sensationen von zweifelhafter Glaubwürdigkeit auf, die der Opposition aber immerhin gut genug waren, Misstrauensanträge gegen Barak einzubringen. Zwei Wochen lang wurde der Friedensprozess unter Berufung auf fragwürdige Quellen in Prozentzahlen und Siedlern pro Quadratmetern gemessen.

Doch wichtiger als die reinen Zahlen, das machten die "höchsten politischen Kreise" jetzt deutlich, war die Tatsache, dass beide Seiten in Camp David Themen ansprachen, die noch vor wenigen Wochen unaussprechlich waren. So seien palästinensische Unterhändler etwa mit einer Landkarte des Westjordanlands erschienen, auf der die jüdischen Siedlungsblöcke eingezeichnet waren. Undenkbar bisher angesichts der Forderung Arafats nach hundertprozentigem israelischem Abzug aus den Gebieten. Israelis und Palästinenser diskutierten sogar ein "Büro für Arafat" in der Altstadt Jerusalems.

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