Nahost-Expertin Muriel Asseburg : ''Die Tat fügt sich in ein Muster''

Frau Asseburg, der israelische Mossadwird verdächtigt,hinter dem Anschlag zu stehen. Wie glaubhaft sind die Indizien?

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Foto: promo

Ich möchte nicht darüber spekulieren. In den vergangenen Jahren hat sich immer relativ rasch aufgeklärt beziehungsweise die Indizien ließen darauf schließen, ob es der israelische Geheimdienst war oder nicht.

Wenn wir aber von der Arbeitshypothese ausgehen, dass es der Mossad war:Was bedeutet dies für die Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hamas?

Wenn es denn der Mossad war, fügt sich die Tat in ein Muster ein, demgemäß Israel bereits seit Jahrzehnten immer wieder missliebige Personen – insbesondere Führungskader von feindlichen politischen Organisationen, zum Teil auch diejenigen, die strategisch oder logistisch für den bewaffneten Kampf (mit-)verantwortlich waren – getötet hat. In der Regel hat dies allerdings nicht dazu geführt, dass diese Organisationen nachhaltig geschwächt wurden.

Verhindert der Mord von Dubai eine Einigung mit der Hamas über die Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit?

Die Voraussetzungen für einen Deal sind derzeit ohnehin nicht gut. Denn die Positionen beider Seiten liegen sehr weit auseinander. Sicher wird der Anschlag von Dubai eine Einigung mit der Hamas in naher Zeit unmöglich machen. Aber nach einigen Monaten könnte das anders sein. Meine Vermutung wäre allerdings, dass der Preis, den die Hamas nach diesem Anschlag fordern wird, hoch sein wird – nicht zuletzt, um das Gesicht zu wahren.

Welche Auswirkungen hätte eine Autorenschaft des Mossad auf die Beziehungen der gemäßigten arabischen Staaten zu Israel?

Der Vorfall wird sicher die öffentliche Meinung in diesen Ländern, wie in der gesamten arabischen Welt, sehr stark gegen Israel aufbringen wird. Das macht es den Regierungen natürlich nicht leichter, den Forderungen der Amerikaner nachzukommen, auf Israel zuzugehen.

Und zu europäischen Ländern, deren Pässe benutzt wurden?

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es zu diplomatischen Verstimmungen kommt, aber nicht zu längerfristigen Auswirkungen.

Möglicherweise sind Ex-Mitglieder der Sicherheitsdienste der Westbank verwickelt. Was bedeutete dies für die innerpalästinensischen Beziehungen?

Noch ist nichts bewiesen. Solche Vorfälle werden immer genutzt, um schmutzige Wäsche zu waschen. Es ist wie mit den jüngsten Korruptionsvorwürfen gegen das palästinensische Präsidentenamt: Da wird von irgendeiner Seite versucht, die Spannungen weiter anzuheizen.

Muriel Asseburg ist Leiterin der Forschungsgruppe Naher/Mittlerer Osten und Afrika der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Fragen stellte Andrea Nüsse.

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