Politik : Nahost: Freitagsgebet auf dem Tempelberg ohne Zwischenfälle

Mehr als 40 000 Palästinenser haben am Freitagmittag zu Beginn des Fastenmonats Ramadan vor der Al Aksa Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem gebetet. Dabei kam es nicht zu den befürchteten gewalttätigen Zwischenfällen. Etwa 3000 israelische Polizisten waren in der Stadt zusammengezogen worden, um eine Wiederholung der blutigen Ausschreitungen auf dem Tempelberg zu verhindern, die Ende September die Unruhen in den Palästinensergebieten ausgelöst hatten. Die Polizei ließ nur palästinensische Bewohner Ost-Jerusalems auf das Plateau über der Altstadt Jerusalems.

Ungeachtet der fortdauernden Gewalt ist die Mehrheit der Israelis nach wie vor für ein umfassendes Friedensabkommen mit den palästinensischen Nachbarn. Nach einer am Freitag veröffentlichten Meinungsumfrage der Tageszeitung "Jedioth Achronoth" würden 59 Prozent der Befragten bei einem Referendum für ein umfassendes Abkommen stimmen. Allerdings glauben 56 Prozent, dass Israel zurzeit auf palästinensischer Seite keinen "Partner für einen Frieden" hat.

Nach Angaben der palästinensischen Luftfahrtbehörde öffnete Israel am Freitag wieder den internationalen Flughafen von Gaza-Stadt. Der Flughafen sei von 8 Uhr bis 16 Uhr geöffnet, sagte Behördenchef Fajes Seidan. Die Armee hatte den vor zwei Jahren eröffneten Flughafen seit Beginn der Unruhen aus Sicherheitsgründen mehrmals geschlossen.

Israels Regierungschef Barak hatte angekündigt, sich ungeachtet der in Israel anstehenden Neuwahlen weiter um ein Friedensabkommen mit den Palästinenser zu bemühen. Ein Sonderparteitag der regierenden Arbeitspartei nominierte ihn am Freitag "inoffiziell" erneut zum Kandidaten für das Amt des Regierungschefs.

Das Parlament hatte am Dienstag für Neuwahlen votiert, die voraussichtlich bis Mitte 2001 stattfinden werden. Barak hatte den Palästinensern am Donnerstag einen eigenen Staat angeboten. Die Palästinenser sollten hierzu weitere zehn Prozent des Westjordanlandes erhalten, während Israel die jüdischen Siedlungen in den Palästinensergebieten zugeschrieben werden sollten. Die Palästinenser lehnten den Vorschlag ab, weil Barak die Jerusalem-Frage bis zu drei Jahre aufschieben will. Der künftige Status von Jerusalem ist einer der Hauptstreitpunkte für ein Friedensabkommen.

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