Politik : Nahost Friedensgespräche: Atempause für die Atemlosen (Kommentar)

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Ein paar Stunden lang glaubte Amerika spät abends, der Gipfel von Camp David sei geplatzt. Da hieß es erst, nach neun zähen Verhandlungstagen sei ein Ende ohne Durchbruch erreicht worden. Dann wurde revidiert: Israelis und Palästinenser geben nicht auf, sondern testen jetzt die Nerven von Madeleine Albright. Während Bill Clinton sich also in Japan zu erholen versucht, lenkt Amerikas Außenministerin die nahöstlichen Friedensgeschicke. Albright hat jetzt die Chance, den Einigungsdruck ein wenig zurückzufahren. Israelis und Palästinenser haben drei Tage Zeit, unter zunehmend ausgeschlafeneren Verhältnissen abzuwägen, wie viel die vielen Annäherungen bei den Streitfragen Land, Grenzen, Flüchtlinge und Siedler im Verhältnis zu dem fortgesetzten Zwist um Jerusalem wert sind. Dann kommt Clinton zurück, und erst dann wird der Druck wieder soweit erhöht, dass über Scheitern oder Durchbruch zu befinden ist. Arafat und Barak haben erkannt, dass sie den US-Präsidenten brauchen. Dass sie in Camp David auch ohne ihn weitermachen, ist zuallererst eine Verbeugung vor Clinton. Ohne dessen Druck geht es gar nicht.

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