Politik : Nahost-Friedensverhandlungen: Krise bei Gesprächen in Taba

Die Verhandlungen zwischen Israeli und Palästinensern über ein dauerhaftes Friedensabkommen im ägyptischen Seebad Taba sind am Samstag offenbar in eine Krise geraten. Ein führendes Mitglied der palästinensischen Delegation sagte: "Die Verhandlungen sind gescheitert." Es habe keinerlei Fortschritte bei den Gesprächen gegeben. Anschließend traf jedoch der palästinensische Unterhändler Nabil Schaath mit dem israelischen Justizminister Jossi Beilin zusammen, um über einen Ausweg aus der Krise zu beraten.

Man wollte entscheiden, ob beide Seiten in den kommenden Tagen eine gemeinsame Erklärung veröffentlichen können, die ihre Übereinkünfte und Meinungsverschiedenheiten festhält. Sie sollte als Basis für weitere Verhandlungen nach den israelischen Ministerpräsidenten-Wahlen am 6. Februar dienen.

Das Verhandlungsmitglied, das namentlich nicht genannt werden wollte, sagte jedoch am Samstag, bei den jüngsten Verhandlungen in Taba seien noch weniger Übereinkünfte erzielt worden als bei den im vergangenen Sommer gescheiterten Marathongesprächen von Camp David in den USA. Unterhändler beider Seiten hatten im Verlauf des jüdischen Ruhetages Sabbath "informelle Kontakte" im Hotel der israelischen Delegation in der südisraelischen Küstenstadt Eilat unterhalten. Der israelische Unterhändler Jossi Sarid sagte, man sei einer Einigung "näher denn je". Israelische Medien meldeten zudem, Palästinenserpräsident Jassir Arafat werde am Sonntag in Davos mit dem israelischen Regionalminister Schimon Peres zusammenkommen. Auch ein Gespräch zwischen Arafat und dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak sei Mitte der Woche in Stockholm möglich.

Offene Streitpunkte sind nach Medienberichten immer noch die Jerusalem-Frage, die am Freitag erstmals intensiv verhandelt wurde, das Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge, der künftige Grenzverlauf und die Kontrolle der Grenzen. Israel schlug nach Angaben der israelischen Zeitung "Haaretz" vom Samstag bei den jüngsten Gesprächen über die Jerusalem-Frage einen erst später genau zu definierenden "Sonderstatus" für die heiligen Stätten der drei Weltreligionen in Jerusalems Altstadt vor.

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