Nahost : Gefangenentausch zwischen Israel und Hisbollah

Zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz wird es bald zu einem gegenseitigen Tausch von Häftlingen kommen. Teilweise sollen diese jedoch schon tot sein. Die geplante Freilassung des libanesischen Häftlings Samir Kuntar wird weiterhin scharf kritisiert.

JerusalemDer Gefangenenaustausch zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz rückt näher. Israelische Soldaten begannen am Montag auf dem Amiad-Friedhof feindlicher Kämpfer im Norden Israels mit der Ausgrabung der Leichen von 190 Hisbollah-Milizionären. Ihre Übergabe ist im Rahmen des Austauschs vorgesehen, der auch zwei wahrscheinlich tote israelische Soldaten und fünf libanesische Häftlinge sowie Leichenteile israelischer Soldaten umfasst. Der Austausch wird im Laufe dieser Woche erwartet, wahrscheinlich an einem israelisch-libanesischen Grenzübergang im Norden Israels.

Der israelische Unterhändler Ofer Dekel wird zudem mit dem schriftlichen Bericht der Hisbollah über das Schicksal des seit 22 Jahren vermissten israelischen Navigators Ron Arad in Israel zurückerwartet. Er habe den Bericht am Sonntag in Deutschland erhalten, meldeten israelische Medien. Bereits vor einer Woche war Israel informiert worden, dass der 1986 mit seinem Flugzeug abgestürzte Arad nach Hisbollah-Informationen zwei Jahre nach seiner Gefangennahme getötet wurde. Die offizielle Übergabe des Berichts ist eine Bedingung Israels für den Austausch, der binnen einer oder zwei Wochen erwartet wird. Die Übergabe wurde im Auftrag der Vereinten Nationen von dem deutschen Unterhändler Gerhard Conrad ausgehandelt.

Im Gegenzug für die Informationen über Arad habe Dekel Conrad einen Bericht über das Schicksal iranischer Diplomaten übergeben, die während des 1982 begonnenen Libanonkriegs getötet worden waren, hieß es. Die vier Diplomaten waren an einer Straßensperre der mit Israel verbündeten christlichen Phalangisten im Norden des Libanons festgenommen und vermutlich erschossen worden.

"Der Tauschhandel von heute ist die Entführung von morgen"

In Israel hält unterdessen die Kritik an der geplanten Freilassung des libanesischen Häftlings Samir Kuntar an. Ein palästinensisches Kommando hatte 1979 unter seiner Führung zwei Polizisten sowie einen israelischen Vater und dessen vierjährige Tochter getötet. Die zweijährige Schwester des Mädchens erstickte, als ihre Mutter in einem Versteck versuchte, sie während des Überfalls ruhig zu halten.

Joram Schachar, Bruder einer der getöteten Polizisten, kündigte am Montag an, er werde vor dem Höchsten Gericht in Jerusalem gegen die Freilassung Kuntars klagen. "Der Tauschhandel von heute ist die Entführung von morgen", sagte er dem israelischen Rundfunk. Durch die Verschleppung der israelischen Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser durch die Hisbollah war vor zwei Jahren der Libanonkrieg ausgelöst worden. Kritiker in Israel befürchten, der Tauschhandel mit der Hisbollah könnte militante Gruppierungen zu weiteren Entführungen ermutigen. (fg/dpa)

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