• Nahost-Gipfel: "Der Saladin seiner Generation" - In Palästina und in der arabischen Welt wird Jassir Arafat wie ein Held gefeiert

Politik : Nahost-Gipfel: "Der Saladin seiner Generation" - In Palästina und in der arabischen Welt wird Jassir Arafat wie ein Held gefeiert

Andrea Nüsse

Die arabische Welt feiert einen Helden: Er heißt Jassir Arafat. Begeisterte Menschen erwarten ihn am Flughafen in Kairo, Tausende jubeln ihm während der Fahrt nach Alexandria zu, wo er den ägyptischen Präsidenten Mubarak über die Verhandlungen in Camp David informiert. In Gaza-Stadt schwenken 3000 Menschen Porträts des Palästinenserchefs, an den Häusern ist der "Kriegsname" Arafats, Abu Ammar, zu lesen. Per Lautsprecher fordern Anhänger von Arafats Fatah-Bewegung die Bewohner auf, "den Saladin seiner Generation" bei seiner Heimkehr zu begrüßen - Saladin hatte im 12. Jahrhundert die Kreuzritter besiegt. Bejubelt wird die harte Haltung Arafats in der symbolischen Jerusalem-Frage. Endlich einmal habe Arafat dem vereinten Druck der USA und Israels nicht nachgegeben, heißt es. Nicht nur seine Anhänger, sondern auch die verschiedenen Oppositionsgruppen, die ihm generell zu große Nachgiebigkeit gegenüber Israel vorwerfen, sind zufrieden.

"Arafat ist in der palästinensischen und arabischen Welt gestärkt aus Camp David zurückgekehrt", sagt der arabisch-stämmige Abgeordnete im israelischen Parlament und Arafat-Kritiker, Azmi Bishara, dieser Zeitung. Er sieht die "große Chance" für Arafat, mit dieser Zustimmung im Rücken den Dialog mit der palästinensischen Gesellschaft wiederaufzunehmen und einen breiten nationalen Konsens für das weitere Vorgehen im Friedensprozess zu schaffen.

Doch die scheinbare Geschlossenheit der Reihen trügt. Denn die Folgerungen, die aus Camp David II gezogen werden, sind sehr unterschiedlich. Kritiker wie Bishara sehen sich durch das Scheitern der Gespräche in den USA in ihrer Überzeugung bestärkt, dass im Rahmen des Osloer Abkommens angesichts des herrschenden Ungleichgewichts zwischen Israel und den Palästinensern kein gerechtes Friedensabkommen möglich ist. Zu dieser Ansicht müsse sich nach dem Scheitern der Gespräche auch Arafat selbst durchringen, hofft Bishara.

Diese Ansicht teilt Arafat jedoch nicht. Er halte weitere Verhandlungen in Washington "oder jedem anderen Ort", den US-Präsident Clinton auswähle, für möglich, erklärte er nach seinem Treffen mit Mubarak. Zuvor hatte sein Unterhändler Saeb Erekat erklärt, man könnte noch fristgerecht bis zum 13. September, nach dem Arafat notfalls einseitig den Palästinenserstaat ausrufen will, zu einer Einigung gelangen. Arafats Berater Bassam Abu Sharif freut sich, dass "beide Seiten nicht länger vor den schwierigen Fragen wegrennen".

Scheikh Ahmed Yassin, charismatischer Führer der islamischen Hamas-Bewegung, fühlt sich dagegen in seiner Überzeugung bestätigt, dass die Palästinenser nur mit Gewalt ihre Ziele erreichen können. Der Vorsitzende der Fatah-Bewegung Marwan Baghouteh, sieht zwar "keine Notwendigkeit für Gewalt", räumt aber ein, dass die Lage sehr angespannt sei und sich seine Organisation "auf alle Eventualitäten" vorbereite.

Für seine Unnachgiebigkeit in dem Streit um Jerusalem kann sich Arafat auch der Unterstützung der arabischen Führer sicher sein. Auch wenn diese Herrscher nicht demokratisch gewählt sind, können sie es sich in dieser sensiblen Frage nicht leisten, die Gefühle ihrer Bevölkerungen zu übergehen. So hat Mubarak sich wohl trotz massiven US-Drucks nicht für weitere Kompromisse in der Jerusalem-Frage bei Arafat eingesetzt.

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