Politik : Nahost-Gipfel: Ein ehrlicher Makler tritt ab

Robert von Rimscha

Er hat viel Pech gehabt. Dass nun der mühsame Waffenstillstand von Scharm el Scheich als sein vermutlich letzter großer Nahost-Auftritt in die Geschichtsbücher eingeht, ist für Bill Clinton ein mageres Ergebnis nach acht Jahren Einsatz für die Region. Dabei hatte eine historische Anomalie ihn erst in die Lage versetzt, tatsächlich den ehrlichen Makler zu spielen und dem Ziel so nahe zu kommen.

Zwei überragende Interessen haben die USA im Nahen Osten: Öl - und die Sicherheit des Staates Israel. Jeder heiße Konflikt gefährdet beide Interessen. Für Bill Clinton fing es gut an. Im September 1993 unterzeichneten Israels Premier Jitzhak Rabin und PLO-Chef Jassir Arafat die gegenseitige Anerkennung beider Parteien. Clinton hatte früh in seiner Amtszeit einen Durchbruch, der an Jimmy Carters Camp David von 1978 heranreichte, als Israel und Ägypten Frieden schlossen.

Dann kam Benjamin Netanjahu. Der Hardliner vom Likud-Block schaffte es, das Verhältnis zu den USA auf einen historischen Tiefststand zu drücken. Als erstem israelischem Premier überhaupt verwehrte Clinton Netanjahu mehrfach den Wunsch, im Weißen Haus empfangen zu werden. Er werde in Washington schlechter behandelt als der bulgarische Premier, entrüstete sich Netanjahu später unter Freunden.

In St. Louis begegneten sich einmal die Flugzeuge Clintons und Netanjahus. Beide waren auf Vortragsreise in Unterstützerkreisen. Clinton ließ seine Air Force One 90 Minuten lang einsam auf dem Rollfeld stehen, bloß um Netanjahu nicht die Hand schütteln zu müssen.

Für Arafat war dies ein Segen. Clinton gilt als der palästinenserfreundlichste aller US-Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte. Dieses Kapital setzte er ein, als es im Oktober 1998 in Wye darum ging, alle Zwischenschritte bis zu den Endstatus-Fragen zu klären. "Beide Delegationen haben bewiesen, dass sie es schaffen, stundenlang über zwei Worte zu streiten", meinte Clinton. "Das Misstrauen ist abgrundtief, das Vorangehen äußerst mühselig."

Mit Barak bekam Clinton endlich wieder einen willigeren Partner. War es dennoch vermessen, im Juli dieses Jahres zu glauben, eine Mammutsitzung in Camp David könne den ganz großen Frieden bringen? Mangelndes Engagement und mangelnde Kenntnis kann niemand Clinton vorwerfen. Der ehemalige Provinz-Gouverneur hat sich in die Nahost-Thematik wie in keinen anderen Regionalkonflikt eingearbeitet.

Leicht hat er es auch niemandem gemacht. Nachtsitzungen bis fünf Uhr morgens waren in Camp David üblich. Bei allen entscheidenden Fragen brachte der Marathon denn auch den Durchbruch: Flüchtlings-Rückkehr, Grenzen, Entschädigung. Nur das symbolträchtigste aller Themen, Jerusalem, blieb unlösbar, obwohl Clinton über haarspalterische Definitionen von Souveränität zu verhandeln bereit war.

Mit Scharm el Scheich besteht zumindest die Hoffnung, dass ein Anknüpfen an Camp David möglich bleibt. Für Clinton ist das Fazit dennoch bitter. Beim springenden Punkt, Jerusalem, scheint eine Einigung jenseits menschlicher Verhandlungskraft zu liegen.

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