Politik : Nahost-Gipfel: Wie lange währt der Jubel? (Kommentar)

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Die arabische Welt jubelt. Arafat heißt der Held des Tages. Er hat die Ansprüche der Moslems auf Jerusalem verteidigt und dem israelisch-amerikanischen Druck widerstanden. Auch die palästinensische Bevölkerung steht heute so geschlossen wie selten hinter ihrem Präsidenten. Doch wie lange wird der Jubel anhalten? Arafats politische Gegner fühlen sich in der Auffassung bestätigt, dass im Rahmen des Osloer Abkommens kein gerechtes Friedensabkommen möglich ist. Arafat und seine Umgebung dagegen stellen den Friedensprozess nicht in Frage, heben die Annäherungen hervor und wollen sogar gleich weiterverhandeln. So könnte es sein, dass der Jubel nicht lange anhält. Zumal auch die Anhänger Arafats dringend Ergebnisse sehen wollen. Denn auch bei ihnen herrscht das Gefühl vor, dass der Friedensprozess bisher zwar einige praktische Erleichterungen, aber keine grundlegende Veränderung der miserablen Lage der Palästinenser gebracht hat. Arafat sollte die Stimmung nutzen, um den Palästinensern die Kompromisse, die sich in anderen Punkten abzeichnen, schmackhaft zu machen. Dies könnte ihm jetzt, wo er Härte gezeigt hat, leichter gelingen. In der Jerusalem-Frage kann jedoch er auch in Zukunft nicht nachgeben - das haben die arabischen Reaktionen vielleicht auch den Israelis klargemacht.

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