Politik : Nahost: Hamas: Israel hat die Grenze überschritten

Christoph Link

Im Westjordanland sind am Dienstag Augenzeugen zufolge mindestens acht Palästinenser bei einem israelischen Raketenangriff getötet worden. Augenzeugen berichteten, ein Büro der militanten Palästinenser-Organisation Hamas in Nablus sei aus der Luft mit Raketen beschossen worden. Andere Augenzeugen sagten, es habe sich um einen Panzerangriff gehandelt. Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin verurteilte den Angriff, bei dem nach Angaben von Sanitätern auch zwei führende Mitglieder der Organisation getötet wurden. Jassin sagte, das israelische Volk werde einen hohen Preis für den Angriff bezahlen. Israel hat mehrfach gezielt militante Palästinenser getötet und dies als Teil seiner Politik erklärt, palästinensische Pläne für Bombenanschläge in Israel zu durchkreuzen. Die Palästinenser bezeichnen die gezielten Tötungen durch israelische Einsatzkräfte als Morde.

Die israelische Armee teilte mit, ihr lägen noch keine Informationen über den Vorfall in Nablus vor. Der Gouverneur der Stadt sagte im palästinensischen Rundfunk, unter den Getöteten seien ein Zehn- und ein Zwölfjähriger, die zum Zeitpunkt des Angriffs in einem nahe gelegenen Geschäft aufgehalten hätten.

Israel habe die Grenzen überschritten, sagte Jassin. Er überlasse es nun den Kassam-Brigaden, dem militärischen Arm der Hamas, angemessen zu reagieren.

Im Gaza-Streifen erschossen nach Angaben der radikalen Palästinenser-Gruppe Islamischer Dschihad israelische Soldaten ein Dschihad-Mitglied. Der Mann sei in der Nähe des Grenzübergangs El Muntar in einem Feuergefecht mit israelischen Soldaten getötet worden. Aus Kreisen der Palästinenser-Regierung verlautete, ein palästinensischer Polizist sei getötet worden, als israelische Panzer mehr als 500 Meter in palästinensisch- kontrolliertes Gebiet südlich von Gaza-Stadt eingedrungen seien. Auch zu diesen Vorfällen machte die israelische Armee zunächst keine Angaben.

Israels Sicherheitsminister Uzi Landau sagte zuvor im israelischen Rundfunk, Palästinenser-Präsident Jassir Arafat müsse begreifen, dass nichts unantastbar sei. "Israel hat gerade erst begonnen, gegen die Palästinenser-Behörde vorzugehen." In dem seit Ende September andauernden Palästinenser-Aufstand in den besetzten Gebieten wurden mehr als 640 Menschen getötet, die meisten von ihnen Palästinenser.

In Jerusalem zeigte die Polizei an öffentlichen Plätzen verstärkt Präsenz, da sie Informationen über von Palästinensern geplante Bombenanschläge hat. Am Vortag war ein kleiner Sprengsatz in einem Supermarkt explodiert. Niemand wurde verletzt. Am Montag hatten israelische Kampfhubschrauber mindestens drei Raketen auf das palästinensische Polizei-Hauptquartier in Gaza-Stadt abgefeuert und sieben Polizisten verletzt.

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