Nahost : Israel bereitet Großangriff vor

Nach der Entführung eines israelischen Soldaten hat Israel seine Streitkräfte für einen Angriff auf den Gazastreifen mobilisiert. Die Geiselnehmer fordern die Freilassung von palästinensischen Frauen und Kindern.

Jerusalem/Ramallah - «Ich habe dem militärischen Kommando gestern den Befehl erteilt, unsere Streitkräfte für einen groß angelegten militärischen Einsatz vorzubereiten», sagte Regierungschef Ehud Olmert am Montag in Jerusalem. Die drei bewaffneten palästinensischen Gruppen, die sich zu dem Angriff auf einen Militärposten bekannt hatten, stellten Bedingungen im Gegenzug für Informationen über den Entführten. So sollten «unverzüglich» alle palästinensischen Frauen und «Kinder unter 18 Jahren» aus israelischen Gefängnissen freikommen.

Das Komitee des Volkswiderstandes, die Essedin-El-Kassam-Brigaden, der bewaffnete Arm der radikalislamischen Hamas, und die bis dahin unbekannte Armee des Islam bekannten sich zu dem Angriff vom Vortag im südlichen Gazastreifen. Dabei töteten bewaffnete Palästinenser, die sich in einem Tunnel vom Gazastreifen auf israelisches Territoriums vorgegraben hatten, zwei Soldaten. Den Soldaten Gilad Schalit verschleppten sie. Ein anonymer Anrufer sagte im Namen des Komitees des Volkswiderstands, der 20-jährige Schalit sei «lebendig und bei guter Gesundheit». In einer in Gaza veröffentlichten Erklärung stellten die Gruppen ihre Forderungen.

Der israelische Justizminister Chaim Ramon sagte im Fernsehen, die Regierung verhandele nicht mit der Hamas. Die Regierung verlange von der palästinensischen Autonomiebehörde die Herausgabe des Soldaten, um «sehr harte und sehr schmerzhafte Maßnahmen» zu vermeiden.

Olmert sagte, Israel werde jeden «erreichen», der mit der Entführung des Soldaten zu tun habe. Ein möglicher Militäreinsatz richte sich gegen palästinensische «Terrorgruppen» und ihre Anführer. Israel betrachte die palästinensische Autonomiebehörde «und ihre gesamte Führungsriege, vom Präsidenten über die ganze Regierung» als verantwortlich für den Angriff vom Vortag. Die Armee ging am Rande des Gazastreifens in Stellung.

Perez: "Kein Pardon"

Israels Verteidigungsminister Amir Perez sagte, es gebe «kein Pardon, wenn man einem Soldaten nach dem Leben trachtet». Außenministerin Zippi Livni sagte, die Weltgemeinschaft solle Verständnis haben für einen möglichen Angriff im Gazastreifen und ihn unterstützen. Ein solcher Militäreinsatz falle unter das «natürliche Recht eines jeden Staates auf Selbstverteidigung».

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ordnete im Gazastreifen eine große Suchaktion nach dem israelischen Soldaten an. Wie in Gaza mitgeteilt wurde, forderte Abbas Ministerpräsident Ismail Hanija, Innenminister Said Siam und die Leiter der Sicherheitskräfte auf, unverzüglich eine «ernsthafte Suche» nach dem Soldaten einzuleiten, «um ihn zu befreien».

Frankreich war mit Abbas in Kontakt, um die Freilassung des Soldaten zu erreichen, der auch die französische Staatsbürgerschaft hat. Der französische Botschafter Gérard Araud wollte nach eigenen Angaben die Angehörigen des Entführten in Mizpeh Hila besuchen und ihnen versichern, dass Frankreich «mit allen Parteien» in Verbindung stehe, um Schilats Freilassung zu erreichen.

Die Al-Aksa-Brigaden riefen die Entführer des Soldaten auf, «dem Druck und den Drohungen» standzuhalten und den jungen Israeli nicht freizulassen. Angehörige palästinensischer Häftlinge in israelischen Gefängnissen appellierten an die Entführer, Schalit erst im Gegenzug für die Freilassung aller Häftlinge herauszugeben. Nach palästinensischen Angaben sitzen derzeit rund 9400 Palästinenser in Israel ein. (tso/AFP)

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