Politik : Nahost: Israel besetzt PLO-Zentrale

Nach dem Selbstmordanschlag in Jerusalem hat Israel in der Nacht zum Freitag das Hauptquartier der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO im Ostteil der Stadt besetzt. Die Besetzung soll von Dauer sein, sagte Sicherheitsminister Uzi Landau. Das PLO-Hauptquartier, das Orient-Haus genannt wird, symbolisiert die Hoffnungen der Palästinenser, Ost-Jerusalem zur Hauptstadt ihres eigenen Staates zu machen. Die israelische Polizei hisste die israelische Flagge auf dem Gebäude. Auch andere PLO-Büros in der Nähe wurden geschlossen. In der Nacht beschoss die israelische Armee zudem Polizeistationen im Westjordanland und im Gaza-Streifen. Verletzt wurde dabei offenbar niemand.

Ein ranghoher Berater Arafats, Ahmed Abdel Rahman, sah in der Besetzung die Absicht der Israelis, alle Vereinbarungen des Friedensprozesses seit 1993 zu zerstören. "Das palästinensische Volk hat keine andere Wahl, als den Widerstand und die Intifada zu verstärken, um das Heilige Jerusalem zu befreien und das Orient-Haus zurückzugewinnen", sagte er. Die Palästinenser kündigten die Ausweitung ihres Aufstandes an.

In Paris kritisierte der israelische Botschafter in Frankreich, Elie Barnawi, die Nahost-Politik der USA. "Ich denke, sie tun nicht viel, und was sie tun, ist zu wenig", sagte Barnawi im Rundfunk. Die USA warfen Israel vor, mit der Besetzung des Orient-Hauses im arabischen Teil Jerusalems eine "ernste politische Eskalation" ausgelöst zu haben. Das Vorgehen unterhöhle das Vertrauen in eine Verhandlungslösung des Konfliktes und erhöhe die Gefahr einer weiteren Verschlechterung der Lage, sagte Gregg Sullivan, der Sprecher des Nahostabteilung des US-Außenministeriums in Washington. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) plant noch für diesen Monat eine Reise in den Nahen Osten.

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