Politik : Nahost: "Israel hat andere Sorgen als moralische Verurteilungen"

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Schlomo Avineri ist Direktor des Instituts für Europäische Studien an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Von 1975 bis 1977 war er Staatssekretär im Kabinett Rabin.

George Bush hat angekündigt, dass sein Außenminister eine neue Friedensmission starten wird. Wie bewerten Sie das?

Sie ist natürlich begrüßenswert. Aber: Das wird keine Friedensinitiative sein. Sie wird dazu dienen, einen Waffenstillstand zu erreichen. Die Amerikaner sind realistisch, sie haben erkannt, dass dies das Beste ist, was man erreichen kann. Anderes ist mit Terroristen wie Arafat nicht möglich.

Halten Sie es für möglich, dass sich die Truppen aus den palästinensischen Städten zurückziehen, wenn es zu Gesprächen kommt?

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Umfrage: Gehören Arafat und Scharon in den Ruhestand?
Nein. Der Rückzug kommt erst an dem Tag, an dem Jassir Arafat den Terror nicht mehr unterstützt. Sehen Sie, jeder Palästinenser, der sich unter Juden in die Luft sprengt, bekommt ein Staatsbegräbnis, wird zum Märtyrer erklärt, seine Familie erhält eine Pension und seine Biografie wird an den Schulen verteilt. Erst muss das aufhören.

Scharon-Berater Dore Gold hat gerade in Berlin gesagt, es gebe unter den Palästinensern bessere Gesprächspartner als Arafat.

Ich habe solche Menschen noch nicht getroffen. Es gibt weder in der palästinensischen Regierung noch in der Bevölkerung Kritik an den Selbstmordattentaten. Zumindest dieses Verständnis für Recht und Unrecht muss doch bei vertrauenswürdigen Politikern vorliegen.

Die Militäraktionen sind die umfassendsten seit 1967. Schon vorher war das Vorgehen gegen die Palästinenser in Israel umstritten. Hat sich die Kritik im Land noch verstärkt?

Machen Sie sich keine Illusionen. Vorher hatte Ariel Scharon eine Zustimmung von etwa 40 Prozent. Jetzt sind es 67 Prozent. Die Menschen merken, dass es seit dem Einmarsch in die palästinensischen Städte von dort aus keine Terrorakte mehr gibt.

Aber die Kritik von außen nimmt zu. Sogar von Seiten der USA.

Bush muss eine ausgewogene Politik machen. Aber er hat ganz klar gesagt, dass der Grund für die derzeitige Situation der ist, dass die Palästinenser den Terror nicht unter Kontrolle haben. Und deshalb habe ich auch keine Angst, dass Israel isoliert wird.

Was würden Sie den Kritikern entgegnen?

Manche von ihnen unterscheiden einfach nicht zwischen dem Selbstbestimmungsrecht, das die Palästinenser nach wie vor haben und dem Recht auf Terrorismus. Und wenn ich das so grob sagen darf: Israel hat andere Sorgen als moralische Verurteilungen. Zum Pessah-Fest waren die Straßen, die Parks und die Restaurants leer. Geisterhaft. Wie Bush sagt: Genug ist genug.

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