Politik : Nahost: Israelische Armee zerstört 26 Häuser im Gaza-Streifen

Die israelische Armee hat am Dienstag 26 Häuser im Gaza-Streifen zerstört und sich dabei mit Palästinensern eines der heftigsten Gefechte seit fast vier Wochen geliefert. Fünf Palästinenser seien dabei verletzt worden, teilten Krankenhausmitarbeiter mit. Die Armee berichtete, drei Soldaten seien verwundet worden, einer davon schwer. Sie habe mit ihrem Einsatz Angriffe von Palästinensern stoppen wollen, die sich in den Häusern verschanzt hätten. Die Palästinenser warfen Israel vor, gegen unschuldige Zivilisten vorgegangen zu sein.

"Wir hörten die Panzer anrollen und sahen die Planierraupe vom Balkon", berichtete eine Frau, deren vierstöckiges Haus zerstört wurde. Sie habe sofort ihre Kinder aus dem Schlaf gerissen und sei mit diesen aus dem Haus gestürmt. Nach dem Abzug der Armee suchten weinende Bewohner der zerstörten Häusern in den Trümmern nach ihrem Hab und Gut. Die israelische Armee erklärte, die Häuser seien unbewohnt gewesen. Palästinensische Heckenschützen hätten sie als Unterschlupf genutzt. Die Angriffe aus dem Gebiet hätten in der vergangenen Woche einen neuen Höhepunkt erreicht. Aus diesem Grund sei die Armee nun eingeschritten. Der palästinensische Sicherheitschef in Gaza-Stadt, Abdel Rasek el Madschajdeh, bezeichnete den Zwischenfall hingegen als einen "brutalen Angriff" auf ein Flüchtlingslager, das unter der vollen Kontrolle der Palästinenser stehe.

Die Berufung des ehemaligen israelischen Inlandsgeheimdienstchefs Karmi Gillon zum neuen israelischen Botschafter in Kopenhagen löste unterdessen in Dänemark bei Politikern und Menschenrechtsgruppen Empörung aus. Grund sind nach Medienberichten vom Dienstag Äußerungen Gillons zum Thema Folter. Gillon hatte in einem Interview des dänischen Fernsehens gesagt, Israel könnte gezwungen sein, die umstrittene Praxis des "moderaten physischen Drucks" gegen palästinensische Häftlinge wieder einzuführen, um Informationen zur Verhinderung terroristischer Anschläge zu bekommen.

Nach den Berichten hat Gillon in dem Interview bestätigt, dass der Inlandsgeheimdienst noch 1999 Gefangene gefoltert habe. Die Methode sei nur bei islamischen Fundamentalisten angewandt worden, die sich geweigert hätten, Informationen - vor allem über Selbstmordattentäter - preiszugeben, wurde Gillon von der Zeitung "Jyllands-Posten" zitiert. Ein Vertreter der linken Einheitspartei appellierte an die sozialdemokratisch-geführte Regierung in Kopenhagen, sie solle Gillon auffordern, seine Äußerungen zurückzunehmen, bevor er sein Amt im August antrete. Ein Vertreter des Zentrums zur Rehabilitierung von Folteropfern sagte, die Äußerungen Gillons seien schockierend und stünden in direktem Widerspruch zur UN-Menschenrechtskonvention.

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