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Nahost : Israelische Marine fängt Hilfsschiff nach Gaza ab

Die israelische Marine hat eine französische Yacht geentert, die als eines von zehn Schiffen einer internationalen Hilfsflotte Hilfsgüter nach Gaza bringen wollte. Der Einsatz verlief friedlich.

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Das Schiff "The Audacity of Hope" im Hafen von Athen in Griechenland, kurz vor der Abfahrt Richtung Gaza.Alle Bilder anzeigen
Foto: AFP
01.07.2011 16:39Das Schiff "The Audacity of Hope" im Hafen von Athen in Griechenland, kurz vor der Abfahrt Richtung Gaza.

Die israelische Marine hat das französische Boot „Dignité/Al Karama“ am Dienstag auf dem Weg zum Gazastreifen geentert. Der Einsatz sei friedlich verlaufen und die Jacht in Richtung des israelischen Hafens Aschdod ins Schlepp genommen worden, sagte eine Militärsprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Das Boot mit 16 zumeist französischen Aktivisten wollte die Blockade des Gazastreifens durchbrechen. Die Organisatoren der Gaza-Flottille berichteten, es bestehe kein Kontakt mehr zu dem Schiff.

Die „Dignité“ ist das einzige Schiff der Gaza-Flottille, dem es gelungen war, die griechischen Behörden zu umgehen. Auch die Aktion „Fly Inn“, bei der Aktivisten mit Touristenvisa in die palästinensischen Gebiete reisen wollten, wurde von den israelischen Behörden verhindert. Die Teilnehmer waren nach Tel Aviv geflogen und hatten bei der Einreise angegeben, palästinensische Freunde besuchen zu wollen. Daraufhin wurden die Aktivisten erwartungsgemäß von den israelischen Behörden festgenommen und abgeschoben. Die Rückkehrer sehen die Aktionen dennoch als Erfolg.

Die Berliner Mitorganisatorin des „Fly Inn“, Sophia Deeg, sprach von 500 bis 600 Aktivisten weltweit, die am 8. Juli versucht hätten, nach Israel zu reisen. Gelungen sei dies allerdings nur rund 120 Personen. Eine davon war die Berliner Künstlerin und Übersetzerin Angelica Seyfried. Sie klagte nach ihrer Festnahme gegen ihre Abschiebung und verbrachte daraufhin sieben Tage in einem israelischen Gefängnis. Das Gericht hielt ihre Abschiebung aber für rechtens. Trotz hoher Unkosten ist sie vom Erfolg ihrer Aktion überzeugt: „Wir haben ein großes mediales Echo gesehen und auf die Lage der Palästinenser aufmerksam gemacht.“

Günther Wimmer, ein 68-jähriger Sozialarbeiter aus München und Mitglied des Münchener Friedensbündnisses, war einer der wenigen, die nach eintägiger Haft freikamen. Er hatte den israelischen Behörden schriftlich versichert, nicht in Gebiete zu reisen, in denen kritische Situationen zwischen Palästinensern und Israelis zu erwarten seien und sich auch sonst nicht an Protesten gegen Israel zu beteiligen. Nach seiner Entlassung besuchte er die palästinensischen Gebiete. An zwei friedlichen Demonstrationen habe er teilgenommen, berichtete er telefonisch. Die pro-palästinensischen Demonstrationen fanden in Bethlehem statt und waren gegen die israelische Politik in den Palästinensergebieten gerichtet.

Der palästinensische Mitorganisator des „Fly Inn“, Nasim Kemsiyeh ist ebenfalls zufrieden: „Wir haben die Lebenswirklichkeit der Palästinenser unter der Okkupation gezeigt und ein großes Medienecho erzeugt. Israel ist es nicht gelungen, uns Palästinenser hier zu isolieren.“

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte zuvor gesagt, jedes Land habe das Recht, „Provokateuren“ die Einreise zu verweigern. Wie bereits bei der Gaza-Flottille wurde der Vorwurf erhoben, dass sich die Friedensaktivisten von radikalen Palästinensern instrumentalisieren lassen. Dem widersprachen die Aktivisten mit dem Argument, sie hätten eine friedliche Protestform gewählt und israelische Gruppen hätten sie unterstützt.

Bereits im Vorfeld der pro-palästinensischen Aktionen hatte Israel 342 Aktivisten die Einreise untersagt und europäischen Fluggesellschaften, darunter auch der Lufthansa, eine schwarze Liste der betroffenen Personen übermittelt. Rund 230 Personen konnten ihren Flug nicht antreten, weil Fluggesellschaften Passagiere ohne gültige Einreiseerlaubnis nicht transportieren.

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