Nahost : Israels Armee sperrt Westbank

Die israelischen Streitkräfte haben vor dem traditionellen Freitagsgebet das Westjordanland für zwei Tage abgeriegelt. Die Grenzübergänge zu den palästinensischen Gebieten sollen nach Armeeangaben bis Samstag um Mitternacht geschlossen bleiben.

Berlin - Auch die Sicherheitsmaßnahmen in der Jerusalemer Altstadt wurden verschärft. Um die Al-Aqsa-Moschee, das drittwichtigste islamische Heiligtum, erhöhte die israelische Polizei ihr Aufgebot an Sicherheitskräften. Muslimischen Männern unter 50 Jahren wurde nach Polizeiangaben der Zutritt zum Tempelberg verwehrt.

Eine Absperrung des Westjordanlands ist keine Seltenheit, normalerweise riegelt Israel das Palästinensergebiet mit seinen 2,4 Millionen Einwohnern jedoch nur an jüdischen Feiertagen ab. Wie der israelische Rundfunk berichtet, wurde die 48-stündige Blockade von Verteidigungsminister Ehud Barak aus Furcht vor gewalttätigen Protesten angeordnet.

Die Atmosphäre in Jerusalem ist seit einiger Zeit höchst angespannt. Vergangene Woche war es in der Stadt Hebron im Westjordanland nach dem Freitagsgebet zu Ausschreitungen gekommen, nachdem der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zwei heilige Grabstätten auf palästinensischem Gebiet zum „nationalen israelischen Erbe“ erklärt hatte. Die Ankündigung Israels, in Ost-Jerusalem 1600 neue Wohnungen für jüdische Siedler zu genehmigen, hatte diese Woche zu heftigen Zusammenstößen zwischen palästinensischen Jugendlichen und israelischen Sicherheitskräften geführt.

Die Siedlungsfrage ist einer der zentralen Streitpunkte im Nahostkonflikt. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas machte am Donnerstag eine Rücknahme des Bauvorhabens zur Voraussetzung für die Wiederaufnahme indirekter Friedensgespräche. Der geplante Wohnungsbau in dem Siedlerviertel Ramat Schlomo rief scharfe Kritik seitens der USA hervor, deren Nahostgesandter George Mitchell kommende Woche die Region reisen will. Mitchell bemüht sich derzeit darum, führende arabische Politiker zu überzeugen, ihre Unterstützung für die geplanten Friedensgespräche unter US-Vermittlung nicht zurückzuziehen. jagr/dpa

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben