Politik : Nahost-Konflikt: Arafats Fatah bekennt sich erstmals zu Angriffen

Im Nahost-Konflikt hat sich erstmals die gemäßigte Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Jassir Arafat zu Angriffen im Zuge der El-Aksa-Intifada bekannt. Die Fatah erklärte in einem Schreiben, das am Samstag bei der Nachrichtenagentur AFP in Gaza einging, sie habe Mörserangriffe auf jüdische Siedlungen im Gazastreifen verübt. Dies sei die Reaktion auf das "abscheuliche Verbrechen, bei dem vier unserer Helden in Rafah getötet wurden". Die PLO-Organisation kündigte weitere Gewalttaten an. Der Beschuss sei nur "der Beginn einer Reihe von Erwiderungen auf die israelische Aggression". Die Fatah könne nicht schweigen, auch wenn sie sich bisher an Arafats Anordnung gehalten habe, den Beschuss israelischer Ziele zu unterlassen.

Bei einer Bombenexplosion in Rafah an der ägyptischen Grenze waren am Mittwochabend drei Fatah-Mitglieder und ein 14-jähriger Jugendlicher getötet worden, sechs weitere Palästinenser wurden verletzt. Die palästinensische Autonomiebehörde hatte Israel beschuldigt, die Palästinenser gezielt "ermordet" zu haben, und bekräftigte die Forderung nach internationalem Schutz für die Palästinenser. Die Fatah hatte nach dem Vorfall Vergeltung für den Tod ihrer Mitglieder angedroht.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden in der Nacht zum Samstag drei Mörsergranaten auf zwei jüdische Siedlungen im Gazastreifen abgeschossen. Es sei aber niemand verletzt worden. Eine der Granaten schlug den Angaben zufolge am frühen Morgen am Rande der Siedlung Nizanit im Norden des Gazastreifens ein. Die Armee habe daraufhin zurückgeschossen. Die beiden anderen Granaten seien auf die Siedlung Kfar Darom im Zentrum des Gazastreifens abgefeuert worden.

Ranghohe israelische und palästinensische Sicherheitsexperten waren am Freitag in Gaza und im Westjordanland zusammengetroffen, um Schritte zur Beendigung der seit sieben Monaten anhaltenden Gewalt zu erörtern. Beide Seiten vereinbarten weitere Treffen am Sonntag in Gaza und dem Westjordanland. Die Israelis hätten versprochen, die scharfen Sicherheitsmaßnahmen und Absperrungen in den Palästinensergebieten zu mildern, hieß es. Am Samstag gab es im Gazastreifen bereits erste Erleichterungen und mehr Bewegungsfreiheit für die palästinensische Polizei. Zum ersten Mal seit mehr als vier Monaten erlaubte Israel bewaffneten palästinensischen Sicherheitskräften, sich zwischen dem Norden und dem Süden des Gazastreifens zu bewegen. Die Hauptverbindungs-Route zwischen Nord und Süd bleibt für palästinensische Polizisten jedoch weiterhin gesperrt.

Israel hatte am Freitag 11 000 Palästinensern die Rückkehr zu ihren Arbeitsplätzen in Israel erlaubt. Der israelische Verteidigungsminister Binjamin Ben-Eliezer teilte in Jerusalem weiter mit, Anfang der Woche zu überprüfen, ob Abriegelungen in den Palästinensergebieten gelockert und Straßensperren aufgehoben werden könnten. Das Palästinenserkabinett erklärte, die Maßnahmen Israels gingen nicht weit genug.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak traf indes am Samstag mit dem russischen Außenminister Igor Iwanow zusammen. Dabei erörterten beide Politiker die Aussichten für eine Wiederaufnahme des Nahost-Friedensprozesses, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete.

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