Nahost-Konflikt : Beirut: 15.000 Soldaten in den Südlibanon

Der Libanon hat erstmals die Entsendung von Regierungstruppen in den Süden des Landes vorgeschlagen, um die Angriffe der radikalislamischen Hisbollah auf Israel zu unterbinden. Israel nannte den Vorschlag "interessant".

Beirut/New York - Das libanesische Kabinett habe die Stationierung von 15.000 Soldaten einstimmig befürwortet. Voraussetzung dafür sei der Rückzug der israelischen Armee, sagte Informationsminister Ghasi Aridi in Beirut. Frankreich begrüßte den Vorschlag, Israel nannte ihn "interessant". Der UN-Sicherheitsrat wollte am Dienstag in New York weiter über den Entwurf für eine Libanon-Resolution beraten. Dabei sollten auch die Bedenken der libanesischen Regierung berücksichtigt werden. Rückendeckung bekam Beirut von Russland, das den Text in seiner vorliegenden Fassung ablehnte.

Mit dem Einsatz libanesischer Truppeneinheiten, die sich bislang aus den Gefechten zwischen der Hisbollah-Miliz und der israelischen Armee weitgehend herausgehalten hatten, käme die libanesische Regierung einer zwei Jahre alten Forderung des UN-Sicherheitsrats nach. Laut Verteidigungsminister Elias Murr stimmten auch die Kabinettsmitglieder der Hisbollah einer libanesischen Truppenpräsenz in dem Gebiet zu, in dem ihre Miliz bisher praktisch freie Hand hatte. Selbst in einen Rückzug ihrer Kämpfer oder eine Entwaffnung willigte die radikalislamische Miliz offenbar ein: Die Regierungsarmee werde im Süden die "alleinige" Streitmacht sein, kündigte Informationsminister Aridi an.

Frankreich unterstütze die Initiative Libanons, sagte Außenminister Philippe Douste-Blazy im Radiosender France Inter. "Jetzt muss geprüft werden, auf welche Weise dieser Vorschlag umgesetzt werden kann." Israels Regierungschef Ehud Olmert reagierte vorsichtig positiv: "Das ist ein interessanter Schritt, den wir prüfen müssen." Er versicherte erneut, dass Israel den Libanon nicht dauerhaft besetzen wolle. Ziel sei, die Hisbollah aus dem Südlibanon zu vertreiben.

Schiitische Milizionäre und israelische Soldaten lieferten sich im Grenzgebiet wie in den letzten Tagen heftige Gefechte: Dabei wurden in der Nähe der Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil zwei israelische Soldaten getötet und fünf verletzt. Aus israelischen Armeekreisen hieß es, auch 15 Hisbollah-Kämpfer seien ums Leben gekommen. Im Norden Israels schlugen erneut rund 60 Raketen ein, die von der Hisbollah abgefeuert worden waren.

Israel droht mit Luftangriffen auf Fahrzeuge

Die israelische Luftwaffe drohte auf Flugblättern, die sie im Süden Libanons abwarf, mit Angriffen auf alle Fahrzeuge, die südlich des Litani-Flusses verkehrten. Der Litani fließt in Ost-West-Richtung durch den Süden Libanons und mündet nördlich von Tyrus ins Mittelmeer. Die Straßen in der Region waren nach der Warnung wie leergefegt.

Angesichts der anhaltenden Raketenangriffe der Hisbollah kündigte die israelische Regierung an, zehntausende Bewohner aus dem Norden Israels in Sicherheit zu bringen. Etwa 15.000 Menschen, die seit Beginn der Offensive am 12. Juli in Schutzräumen lebten, sollten in Hotels in anderen Landesteilen untergebracht werden, sagte Staatssekretär Jisrael Maimon

Das Ringen um eine für alle Beteiligten akzeptable UN-Resolution ging unterdessen weiter. Eine Delegation der Arabischen Liga wollte am Dienstag in New York in einer öffentlichten Debatte des UN-Sicherheitsrates die Änderungswünsche Libanons an dem Entwurf vortragen.

Russland lehnt UN-Resolution ab

Die Vetomacht Russland lehnte die UN-Resolution in ihrer jetzigen Fassung ab. Sein Land könne keine Entschließung unterstützen, die für die Regierung in Beirut "nutzlos" sei, sagte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin. Es gebe intensive Anstrengungen, eine auch für Beirut akzeptable Vorlage zu erarbeiten.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) brach zu seiner zweiten Nahost-Reise seit Beginn der Kämpfe auf. "Jetzt scheint eine Verständigung zwischen den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats erreicht", sagte Steinmeier vor dem Abflug in Richtung Libanon im ARD-Morgenmagazin. Sinn seiner erneuten Mission sei, in der Nahost-Region für die UN-Resolution zu werben. (tso/AFP)

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