Nahost-Konflikt : Fischer fordert "diplomatische Offensive"

Ex-Außenminister Joschka Fischer hat mehr politischen Druck zur Entschärfung des Nahost-Konflikts gefordert. "Noch nie nie war das Nahost-Quartett so wenig engagiert", kritiserte Fischer in einem vorab veröffentlichten "Zeit"-Interview.

Berlin - Der von seiner Partei als Nahost-Vermittler ins Gespräch gebrachte Ex-Außenminister Joschka Fischer kritisierte die Reaktion der westlichen Welt auf die Eskalation im Libanon: «Noch nie hat der Westen, haben die USA diesen brandgefährlichen Konflikt so vernachlässigt, noch nie war das so genannte Nahost-Quartett, also die USA, die EU, die UN und Russland, so wenig engagiert», sagte Fischer. «Wenn wir weiter die Hände in den Schoß legen» und es nicht zu einer energischen diplomatischen Offensive komme, könne aus den einzelnen Krisenherden des Nahen Ostens «schnell eine gewalttätige, nicht mehr beherrschbare Konfrontation in der Region entstehen».

Skeptisch äußerte sich Fischer zu einem Einsatz internationaler Truppen im Libanon. «Nur ein robustes Mandat mit robusten Fähigkeiten könnte vielleicht etwas Positives erreichen. Aber das Risiko wäre gewaltig», sagte der Grünen-Politiker. «Ich glaube, dass politischer Druck auf die Radikalen und das Engagement für einen Neustart von Verhandlungen sehr viel wichtiger sind.»

Konkret zu einer möglichen Vermittlerrolle im Nahen Osten wurde Fischer in dem Interview nicht befragt. Die europäischen Grünen hatten ihn am Dienstag für eine solche Rolle vorgeschlagen. Der frühere Außenminister hatte kürzlich seinen Abschied aus der Grünen-Fraktion verkündet. Er übernimmt im Herbst eine Gastprofessur an der Princeton-Universität in den USA. Ein Schwerpunkt in seiner Amtszeit war die Umsetzung des internationalen Friedensplans (Roadmap) des Quartetts aus Uno, EU, USA und Russland für den Nahen Osten. (tso/AFP)

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