Nahost-Konflikt : Hauptquartier der Hisbollah zerstört

Das Hauptquartier der Hisbollah im Süden von Beirut ist bei einem israelischen Bombardement zerstört worden. Bei einem weiteren Luftangriff in der Nähe der libanesischen Stadt Tyrus wurden 18 Zivilisten getötet - darunter neun Kinder.

Jerusalem/Beirut - Israel hat den nicht erklärten Krieg gegen den Libanon am Samstag mit aller Härte fortgesetzt. Nahe der südlibanesischen Hafenstadt Tyrus verbrannten am Samstag nach UN- und Krankenhausangaben 18 flüchtende Zivilisten, unter ihnen neun Kinder, bei lebendigem Leibe, als ein israelischer Kampfhubschrauber sie beschoss. Unterdessen wurde einer der vier nach einem Hisbollah-Angriff auf ein Schiff der israelischen Kriegsmarine vermissten Marinesoldaten tot geborgen. US-Präsident George W. Bush rief die Hisbollah zum Gewaltverzicht auf.

Ein Offizier der Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (Unifil/Finul) sagte, nach dem Hubschrauberangriff bei Tyrus seien 13 Tote geborgen und ins Krankenhaus gebracht worden. Der Zivilschutz brachte seinerseits die verkohlten Leichen eines Mannes und seiner vier Kinder in das Hospital der südlibanesischen Hafenstadt. Die Menschen waren den Angaben zufolge dabei, auf Anordnung der israelischen Armee ihr Dorf im Südlibanon an der Grenze zu Israel zu verlassen. Die Zahl der seit Beginn der israelischen Offensive am Mittwoch getöteten Zivilisten stieg damit nach Angaben der libanesischen Polizei auf etwa 90. Rund 250 Menschen wurden demnach verletzt.

Das neunstöckige Gebäude mit dem Hisbollah-Hauptquartier wurde vollständig zerstört. Der israelische Einwanderungsminister Seev Boim hatte zuvor gesagt, Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah solle «bei der ersten sich bietenden Gelegenheit» getötet werden. Nasrallah hatte Israel am Freitagabend den «offenen Krieg» erklärt. Davor hatte die israelische Luftwaffe Nasrallahs Haus und seine Büros im Süden von Beirut bombardiert, ohne den Generalsekretär der von Teheran und Damaskus unterstützten Hisbollah zu treffen.

Krankenhaus knapp verfehlt

In der Nacht und am Morgen griff die israelische Armee erneut Ziele im Südlibanon und erstmals seit Beginn der Angriffe am Mittwoch auch das Gebiet um die zweitgrößte libanesische Stadt Tripoli im Norden des Landes. In Tyrus verfehlten Kampfhubschrauber nach libanesischen Angaben nur knapp ein Krankenhaus. Unter den Patienten brach Panik aus.

Im syrisch-libanesischen Grenzgebiet wurden nach Angaben der libanesischen Polizei drei Menschen getötet und mehrere verletzt, als die israelische Luftwaffe in der Nähe von Masnaa angriff, dem Hauptübergang an der Grenze. Beim Beschuss einer Tankstelle am Rande der größten südlibanesischen Stadt Sidon starb ein ägyptischer Arbeiter. Die israelische Luftwaffe bombardierte Straßen, Brücken und Wasserbehälter. Auch eine Station zum Befüllen von Gasflaschen wurde zerstört. Tausende Mensche waren vor den Luftangriffen auf der Flucht und versuchten sich und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen.

Barak schließt Angriff auf Syrien nicht aus

Der bewaffnete Arm der Hisbollah bekannte sich in einer von deren Fernsehsender Al Manar verbreiteten Erklärung zu dem Raketenangriff auf Tiberias, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden. Nach israelischen Armeeangaben explodierten in der Stadt mindestens drei Raketen. Zuvor war erneut ein knapppes Dutzend Katjuscha-Raketen der Hisbollah im Norden Israels eingeschlagen. Am Freitag waren dabei zwei Israelis getötet worden, wodurch sich die Zahl der seit Mittwoch getöteten israelischen Zivilisten auf vier erhöhte.

Im Gazastreifen bombardierte die israelische Luftwaffe am Freitagabend das palästinensische Wirtschaftsministerium. Ein Palästinenser starb. Im Zentrum des Gazastreifens kam ein 18-jähriger Palästinenser beim Beschuss durch einen Kampfhubschrauber ums Leben.

Syrien sagte Libanon und den Palästinensern «vollständige Unterstützung im Widerstand» gegen Israel zu. Der frühere israelische Ministerpräsident Ehud Barak schloss am Samstag nicht aus, dass Israel auch Syrien angreifen könnte. (tso/AFP)

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