Nahost-Konflikt : Hisbollah lehnt Waffenruhe ab

Die Hisbollah will sich nicht auf eine Waffenruhe mit Israel einlassen, die an Bedingungen geknüpft ist. Bei einem israelischen Luftangriff kamen zwölf Zivilisten ums Leben.

Beirut/Haifa - Bei einem israelischen Luftangriff auf einen Kleinbus sind in der Nähe von Beirut nach Polizeiangaben zwölf Zivilisten getötet worden. Unter den Toten seien zwei Frauen und drei Kinder, hieß es. Eine israelische Boden-Luft-Rakete habe den Bus in der Stadt Rmeile im Süden der libanesischen Hauptstadt mit voller Wucht getroffen. In dem Bus saßen demnach zwei Familien, die vor den israelischen Angriffen im Süden des Landes fliehen wollten. Rettungskräfte hätten die zwölf Toten in Krankenhäuser gebracht.

Bei den israelischen Angriffen im Süden des Libanon kam offenbar auch eine zehnköpfige Familie ums Leben. Rettungskräfte hätten die Leichen der zehn Menschen in der Stadt Tyrus aus den Trümmern eines Gebäudes geborgen, in das die Familie sich vor den Anschlägen geflüchtet habe, teilte das libanesische Rote Kreuz mit. Die israelische Armee hatte das Gebäude, in dem ein technisches Institut untergebracht war, am Vortag bombardiert.

Zu einem möglichen Waffenstillstand sagte Abdallah Kassir vom Zentralrat der Hisbollah: "Wir akzeptieren keine Bedingung für eine Waffenruhe, wie auch immer der Druck aussehen wird." Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hatte am Freitag drei Bedingungen für ein Ende der israelischen Angriffe auf den Libanon genannt: Die Freilassung der beiden von der Hisbollah entführten Soldaten, das Ende des Raketenbeschusses auf Israel und die Umsetzung der UN-Resolution für die Entwaffnung der Hisbollah.

Kassir sagte weiter, die beiden am 12. Juli im Grenzgebiet verschleppten israelischen Soldaten seien "an einem sicheren Ort". Ob sie sich noch im Libanon befanden, wollte er nicht sagen. Indirekt sagte Kassir zudem, dass sich der Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah im Libanon aufhält: Die Hisbollah-Führung befinde sich "mitten im Schlachtfeld", sagte er. "Wir werden nicht gehen, selbst wenn der Libanon in brennende Erde verwandelt wird."

Hisbollah bekennt sich zu Angriffen auf Haifa

Die schiitische Hisbollah-Miliz hat sich offiziell zum erneuten Raketenbeschuss der israelischen Hafenstadt Haifa bekannt. Dutzende Raketen der Typen Raad 2 und Raad 3 seien abgeschossen worden, teilte der bewaffnete Arm der Hisbollah (Islamischer Widerstand) mit. Dies sei die Antwort auf die "andauernden Angriffe auf verschiedene libanesische Regionen" durch Israel, hieß es.

Bei dem jüngsten Raketenbeschuss wurden sechs Menschen verletzt, als ein Wohngebäude getroffen wurde, wie ein Verantwortlicher von Magen David Adom mitteilte, dem israelischen Gegenstück zum Roten Kreuz. Ein Mensch sei schwer verletzt worden. Es handelte es sich bei dem getroffenen Gebäude um ein dreistöckiges Haus. Die oberen beiden Stockwerke stürzten nach dem Raketeneinschlag in sich zusammen. Danach brach ein Feuer aus.

Die aus dem Süden Libanons abgeschossenen Raketen schlugen im selben Gebiet ein, in dem am Sonntag bei einem Angriff acht Israelis getötet worden waren. In Jerusalem vereitelte die israelische Polizei nach eigenen Angaben einen Bombenanschlag. Polizisten hätten im Zentrum nahe der Stadtverwaltung einen Palästinenser festgenommen, der in einem Einkaufsbeutel versteckte Bombe bei sich getragen habe. Genauere Angaben wurden zunächst nicht gemacht.

17 Tote durch israelische Bombardements

Bei einer neuen Angriffsserie der israelischen Luftwaffe wurden in der Nacht zu Montag im Libanon mindestens 17 Menschen getötet. Allein neun libanesische Soldaten starben nach Polizeiangaben bei einem Angriff auf einen Stützpunkt des Militärgeheimdienstes in der Küstenstadt Abde im Norden des Landes. Israelische Kampfflugzeuge griffen in einer Viertelstunde neun Mal Ziele in der Stadt Baalbek an, einer Hochburg der radikalislamischen Hisbollah-Miliz. Dabei wurden drei Zivilisten getötet. Zwei Zivilisten kamen bei Raketenangriffen auf das Dorf Dschalala in der Region Sahle im Osten des Landes ums Leben, wie das Libanesische Rote Kreuz mitteilte.

Südöstlich von Beirut im Schuf-Gebirge starben drei Zivilisten kurz vor Mitternacht, als ihr Haus von Raketen getroffen wurde. Israelische Flugzeuge zerstörten zudem die letzten verbliebenen Treibstoff-Tanks am Flughafen von Beirut. Die Kerosin-Vorräte gingen in Flammen auf. Mindestens 44 Menschen wurden in der neuesten Angriffswelle verletzt.

Bei israelischen Angriffen im Süd-Libanon kamen am Sonntag nach neuen Angaben des kanadischen Außenministeriums sieben kanadische Staatsbürger ums Leben. Drei weitere Kanadier seien verletzt worden, sagte eine Ministeriumssprecherin. Der kanadische Außenminister Peter McKay hatte zuvor im Fernsehen die Zahl der Toten mit acht angegeben. Nach Angaben der libanesischen Polizei gehörten fünf der Toten zur selben Familie an, deren Haus in der Ortschaft Aitarun von einer israelischen Bombe getroffen wurde. Laut Radio Canada waren unter den Opfern vier Kinder im Alter von ein bis acht Jahren. (tso/AFP)

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