Politik : Nahost-Konflikt: Intifada - die Geschichte von Gewalt und Gegengewalt

Thomas Seibert

Seit Beginn der blutigen Unruhen in den Palästinensergebieten am 29. September hat das Wort von der Intifada (arabisch: Aufstand) eine zentrale Rolle im Kampf um Unabhängigkeit der Palästinenser gewonnen. Was am 9. Dezember 1987 zur Zeit der israelischen Besatzung im Westjordanland und im Gazastreifen als Freiheitskampf begann, soll den Palästinensern nach dem Willen der radikalen Politiker und eines großen Teils der Bevölkerung jetzt Unabhängigkeit und endgültige Befreiung von Israel bringen.

Die erste Intifada begann am 9. Dezember 1987 eher zufällig. Im Gazastreifen fuhr ein israelischer Lastwagenfahrer in eine Gruppe von Palästinensern. Vier Menschen wurden getötet. Danach brachen in den besetzten Gebieten Unruhen aus, die - in unterschiedlicher Intensität - sechs Jahre anhielten. Mehr als 2000 überwiegend jugendliche Palästinenser wurden getötet.

Die Bilder Steine werfender Palästinenserjungen, die schwer bewaffneten israelischen Soldaten gegenüberstanden, gingen um die Welt. Aber auch der Generalstreik und Massendemonstrationen waren Bestandteil der Intifada. Israel reagierte mit Wirtschaftssanktionen, Deportationen und einer Ausweitung des Siedlungsprogrammes in den besetzten Gebieten.

Alle Bemühungen Israels, die neue "Al-Aksa-Intifada" einzudämmen (benannt nach der großen Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem, wo die Unruhen seit dem Besuch des damaligen Oppositionsführers Scharon begannen), sind gescheitert. Zwar haben Demonstrationen und blutige Zusammenstöße von Demonstranten mit der israelischen Armee auf Befehl Arafats aufgehört.

Dafür sind kleine bewaffnete Gruppen inzwischen zu einer Guerilla-Taktik übergegangen. Sie töten jüdische Siedler, feuern auf israelische Truppen, legen Minen und bringen Bomben am Straßenrand zur Explosion. Experten bezweifeln inzwischen, dass die Führung um Arafat noch in der Lage ist, den Kleinkrieg in den Palästinensergebieten zu beenden. dpa

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