Politik : Nahost-Konflikt: Israel fasst Lynch-Mörder von Ramallah

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Knapp eine Woche nach dem Lynchmord an zwei israelischen Soldaten in Ramallah hat Israel am Mittwoch die Festnahme von acht Palästinensern bekannt gegeben, die an der Tat beteiligt gewesen sein sollen. Im Gaza-Streifen kam es unterdessen zu neuen Unruhen, bei denen mehr als 20 Palästinenser verletzt wurden.

Die Männer wurden in einem Gebiet des Westjordanlandes festgenommen, das unter gemeinsamer Sicherheitskontrolle von Israel und Palästinensern steht, berichtete der israelische Rundfunk. Dies führte zu Spekulationen über eine Zusammenarbeit beider Seiten. Die Festgenommenen wurden überwiegend auf Grund von Video-Aufnahmen identifiziert, die Fernsehteams von den Ereignissen gedreht hatten.

Auch nach der Vereinbarung für eine Waffenruhe wurden am Mittwoch neue Unruhen aus den Palästinensergebieten gemeldet. Im Süden des Gaza-Streifens beschossen jüdische Siedler mehrere Palästinenser und verletzten 22 von ihnen, fünf erlitten den Angaben zufolge schwere Verletzungen.

Nach der Auffassung des früheren israelischen Ministerpräsidenten Schimon Peres werden Palästinenser und Israelis innerhalb von zwei Wochen an den Verhandlungstisch zurückkehren. Peres zeigte sich am Mittwoch in Hamburg überzeugt, dass Premierminister Barak und Palästinenserführer Arafat dabei direkt miteinander sprechen werden. Die gegenwärtige Unterbrechung der Friedensgespräche habe "taktische Gründe". Als gutes Zeichen wertete er, dass Israel seine schweren Waffen aus den Palästinensergebieten zurückziehen wolle.

Peres war am Mittag unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen mit einer Linienmaschine aus Amsterdam kommend in Hamburg eingetroffen. Für seine Bemühungen um die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern erhielt er am Abend den mit 20 000 Mark dotierten Preis der Hamburger Ludwig Wünsche-Stiftung. Aus Angst vor Anschlägen wurden für den Besuch scharfe Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Nach Angaben der Polizei gilt die höchste Sicherheitsstufe. Hinweise auf Protestaktionen lägen aber nicht vor.

Außenminister Joschka Fischer sagte am Mittwoch auf der Expo in Hannover, er sei "optimistisch", was den Friedensprozess angehe. "Aber die Sache ist noch lange nicht in trockenen Tüchern. Ich hoffe, der Gewaltverzicht wird jetzt auch umgesetzt, denn sonst laufen wir auf eine sinnlose große Tragödie zu."

Die griechisch-orthodoxe Kirche in Israel und den besetzten Gebieten verlangte unterdessen, dass die christlichen und moslemischen heiligen Stätten in Ost-Jerusalem unter die alleinige Hoheit der Palästinenser gestellt werden. Ihr Sprecher, Attallah Hanna, sagte am Rande der Menschenrechtskommission am Mittwoch in Genf: "Wir fordern einen palästinensischen Staat mit der Hauptstadt Jerusalem." Hanna sprach nach eigenen Angaben im Namen aller christlichen Kirchen im heiligen Land. Hanna bezeichnete das Ergebnis des Gipfels in Scharm el-Scheich als dürftig. Für die Palästinenser sei dabei nichts herausgekommen. Er wolle nicht von einem Scheitern reden, doch sei das Treffen auch kein Erfolg gewesen. Hanna verurteilte das Vorgehen der Israelis gegen palästinensische Steinewerfer. "Was in den besetzten Gebieten passiert, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte Hanna.

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