Politik : Nahost-Konflikt: Israel greift palästinensische Beduinen an

Kurz vor neuen Sicherheitsgesprächen im Nahen Osten haben israelische Soldaten drei palästinensische Frauen im Gaza-Streifen getötet. Die Beduinenfrauen starben in der Nacht zum Sonntag bei einem Mörserangriff auf ihre Hütten in der Ortschaft Scheich Adschlin nahe der jüdischen Siedlung Nezarim. Sie sind die ersten Todesopfer seit der Ausrufung der Waffenruhe von Palästinenserpräsident Jassir Arafat nach dem Selbstmordattentat in Tel Aviv Anfang Juni, bei dem 21 Menschen starben.

Bei dem Angriff auf die Beduinenhütten starben am Samstagabend zwei Frauen im Alter von 17 und 37 Jahren. Eine 65-jährige Frau erlag später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Zwei weitere Frauen wurden leicht verletzt. Seit Beginn der so genannten El-Aksa-Intifada Ende September wurden damit 604 Menschen getötet, unter ihnen 478 Palästinenser. Israelische Panzer schossen nach palästinensischen Angaben mit Mörsergranaten auf die Ortschaft Scheich Adschlin. Die israelische Armee erklärte, zwei Militärposten und eine Patrouille bei Nezarim seien von Palästinensern beschossen worden. Die Soldaten hätten daraufhin das Feuer erwidert.

Die israelische Polizei gab am Sonntag die Verhaftung von sechs Palästinensern bekannt, die an zahlreichen Anschlägen in Israel beteiligt gewesen seien. Die Männer seien bereits vor mehreren Wochen festgenommen worden und hätten Anschläge in mehreren Städten in Zentral-Israel ausgeführt.

Zuvor hatte US-Geheimdienstchef George Tenet bei den ersten Sicherheitsgesprächen seit dem Selbstmordanschlag in Tel Aviv am Freitag seinen Plan vorgestellt, der von beiden Seiten konkrete Maßnahmen fordert, um die Gewaltspirale zu durchbrechen.

"Von wirklichen Ergebnissen kann noch nicht gesprochen werden", sagte der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo im Radiosender "Stimme Palästinas". Zwar gebe es diplomatische Bemühungen, Israel setze aber gleichzeitig seine Bombardierungen fort, sagte Rabbo nach dem Tod der drei Palästinenserinnen. Israel nehme den am 22. Mai verkündeten Waffenstillstand nicht ernst.

Auch die Europäische Union (EU) hilft bei der Überwachung des immer noch brüchigen Waffenstillstandes in den israelisch besetzten Gebieten. Palästinenser-Präsident Arafat sprach nach einer Unterredung mit dem EU-Ratsvorsitzenden, dem schwedischen Ministerpräsidenten Göran Persson, von "Sicherheitsteams der EU". Nach Angaben westlicher Diplomaten handelt es sich um vier Beobachter für das Westjordanland und den Gaza-Streifen. Der schwedische Ministerpräsident Persson erklärte nach dem Gespräch mit Arafat, dass die EU die von Israel und den Palästinensern ausgerufene Waffenruhe "uneingeschränkt" unterstütze und auf eine baldige Verwirklichung des Mitchell-Plans zur Befriedung der Region hoffe.

Die Palästinenser fordern seit langem internationale Beobachter für die besetzten Gebiete, wo Ende September vergangenen Jahres ein Aufstand ausbrach. Israel hat sich stets gegen eine Internationalisierung des Konfliktes gewehrt und auch in Sicherheitsfragen bislang nur mit den USA zusammengearbeitet. Bei der EU machte Israel eine Ausnahme, allerdings ohne dass dies an die große Glocke gehängt worden sei, wie die westlichen Diplomaten berichteten.

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