Nahost-Konflikt : Israel greift zentrale Gebäude der Hamas an

Die israelischen Luftwaffe fliegt weiterhin Luftangriffe auf den Gazastreifen. In der Nacht zum Montag wurden wichtige Gebäude der Hamas bombardiert, unter anderem die Islamische Universität im Zentrum von Gaza-Stadt und ein Gästehaus der Hamas-Regierung.

Islamische Universität
Gebäude der Islamischen Universität von Gaza nach den Luftangriffen. -Foto: AFP

Tel Aviv/GazaKein Ende der Gewalt in Sicht: In der Nacht zum Montag soll die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben rund 40 Angriffe auf Ziele der radikal-islamischen Hamas geflogen haben. Ein Sprecher der israelischen Armee sagte, die Operation "Gegossenes Blei" gehe weiter. Bei der größten Militäroffensive gegen den Gazastreifen seit dem Sechstagekrieg 1967 wurden bislang mehr als 300 Menschen getötet. Unterdessen mehrten sich die Anzeichen für einen bevorstehenden Angriff israelischer Bodentruppen.

In der Nacht griff die israelische Luftwaffe das Gelände der Islamischen Universität in Gaza an. Augenzeugen berichteten, es habe keine Verletzten gegeben. Auf das Universitätsgelände seien fünf Raketen abgefeuert worden, die hauptsächlich das Gebäude mit dem Universitätslabor zum Ziel gehabt hätten. In dem Gebäude sei ein Feuer ausgebrochen, Rauchwolken seien aufgestiegen. Die als Hochburg der radikalislamischen Hamas geltende Universität liegt im Zentrum von Gaza-Stadt. Ein israelischer Armeesprecher sagte, das Universitätsgelände sei zur Entwicklung von Raketen, Sprengstoff und elektronischem Gerät für militante Kämpfer benutzt worden. Es sei ein Treffpunkt für Hamas-Aktivisten und diene zudem als Waffenversteck.

Andere Ziele seien ein Gästehaus der Hamas-Regierung, ein Waffenlager sowie ein Gebäude in der Nähe des Hauses von Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija in einem Flüchtlingslager bei Gaza-Stadt gewesen, berichtete israelische Medien. Hanija war nicht zuhause. Wie andere Hamas-Führer hält er sich versteckt.

Israel zieht Trupppen an der Grenze zum Gazastreifen zusammen

Mit den Luftangriffen will Israel nach eigenen Angaben den anhaltenden Raketenbeschuss seitens militanter Palästinenser vom Gazastreifen aus auf sein südliches Territorium unterbinden. Es zog mittlerweile an der Grenze zu dem Palästinersergebiet Panzereinheiten zusammen, das israelische Kabinett billigte die Mobilisierung von 6500 Reservisten.

Bei einem palästinensischen Vergeltungsangriff auf die israelische Stadt Ashkelon wurde am Montag unterdessen mindestens ein Mensch getötet. Der Bürgermeister Beni Vaknin sagte dem israelischen Rundfunk, mindestens sieben weitere Menschen hätten Verletzungen erlitten. Vaknin, der sich vor Ort befand, sagte dem Sender, eine Grad-Rakete sei auf einer Baustelle in der Küstenstadt nördlich des Gazastreifens eingeschlagen. Seit den frühen Morgenstunden feuerten militante Palästinenser vier Raketen in das israelische Grenzgebiet.

Barak genehmigt Hilfslieferungen

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Israelis und Palästinenser erneut zu einem sofortigen Waffenstillstand im Gazastreifen auf. Er beklagte, dass die Gewalt auch am Sonntag anhielt und bekräftigte seine Forderung an Israel, Hilfslieferungen für die notleidende Zivilbevölkerung in den Gazastreifen zu lassen.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak genehmigte die Lieferung von Grundnahrungsmitteln, Blutreserven, medizinischer Ausrüstung und zehn Krankenwagen sowie Treibstoff in das Palästinensergebiet. Mehr als hundert Lastwagen mit den von der Türkei, Jordanien und internationalen Organisationen gespendeten Hilfsgütern sollten am Montag die Grenzübergänge Karni, Nahal Os und Kerem Schalom passieren, hieß es.

Die israelischen Luftangriffe auf Hamas-Standorte im Gazastreifen hatten am Samstagmorgen begonnen, um die anhaltenden Raketen- und Granatenangriffe aus dem Gebiet auf Israel zu beenden. Bei den Bombardements wurden nach neuen Angaben der Rettungskräfte im Gazastreifen 310 Menschen getötet und 1420 weitere verletzt. (nis/dpa/AFP)

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